Im neuen Jahr gibt es beim EHI eine Veränderung.
Ulrich Spaan wird ab Januar neuer Geschäftsführer und tritt damit in die Fussstapfen von Michael Gerling, der dem Institut noch bis Ende März 2026 zur Verfügung steht.
Herr Spaan, was hat Sie an der Stelle des EHI-Geschäftsführers gereizt?
Ulrich Spaan: Für mich ist das EHI eine Herzensangelegenheit, da ich das Unternehmen seit über 20 Jahren begleite, davon viele Jahre als Teil der Geschäftsleitung. Das Institut nun als Geschäftsführer zu steuern, ist für mich daher eine besondere persönliche Herausforderung und – im positiven Sinne – auch eine Verpflichtung zugleich.
Wie sehen Sie das EHI aktuell aufgestellt?
Ulrich Spaan: Das EHI hat sich in den vergangenen Jahren sowohl auf Forschungsseite als auch hinsichtlich des Spektrums unserer Dienstleistungen für die Handelsbranche hervorragend entwickelt. Von daher sehe ich uns sehr gut für die Zukunft gerüstet. Dies ist angesichts der an vielen Stellen herausfordernden Situation unserer Branche sehr wichtig. Ich erwarte auch keine einfachen Jahre.
Auf welche Bereiche werden Sie ein besonderes Augenmerk legen?
Ulrich Spaan: Die Relevanz des EHI als führendes Handelsforschungsinstitut und als unverzichtbares Netzwerk für die Branche möchten wir weiter ausbauen. Ebenso wird ein Schwerpunkt auf der weiteren Anpassung unserer Eventformate liegen, um den Anforderungen des Markts auch in Zukunft gerecht zu werden.
Worin liegen die grossen Herausforderungen für den Handel in der Zukunft?
Ulrich Spaan: Die aktuellen Herausforderungen in Form eines steigenden Kostendrucks in vielen Bereichen, einer spürbaren Konsumzurückhaltung und dadurch sinkenden Margen werden sich in naher Zukunft nicht ändern. Hinzu kommen technologische Herausforderungen durch die rasante Entwicklung vor allem im Bereich der künstlichen Intelligenz. Hier gilt es für die Handelsunternehmen, einerseits nicht den Anschluss zu verlieren, andererseits aber auch mit Augenmass vorzugehen, um die gesamte Organisation auf dem Weg in eine KI-geprägte Zukunft mitzunehmen.
Sehen Sie in Zukunft neue Handlungsfelder für das EHI?
Ulrich Spaan: Wir haben mit den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen bereits sehr viel zu tun. Von daher erwarte ich kurzfristig eher eine Erweiterung und Anpassung bestehender Angebote. Sicher werden sich aber, gerade durch die Entwicklung der KI, auch neue Handlungsfelder ergeben.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Ihren Mitgliedsunternehmen?
Ulrich Spaan: Unsere Mitglieder sind die Basis unseres Unternehmens, das Herz des EHI. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist und bleibt für den inhaltlichen und wirtschaftlichen Erfolg des Instituts von essenzieller Bedeutung. Wir werden diese daher auch in Zukunft so intensiv wie möglich gestalten.
Herr Gerling, was waren Ihre interessantesten Erfahrungen?
Michael Gerling: Ganz klar, die Möglichkeit, sinnvolle Branchenlösungen zu entwickeln. Gemeinsam besser handeln, dieser Leitsatz prägt uns schon seit vielen Jahren. Es gibt so viele Aufgaben, die Unternehmen nicht alleine, sondern nur gemeinsam mit anderen Unternehmen lösen können. Ich bin sehr stolz darauf, dass meine Kollegen im EHI in den vielen Jahren in der Lage waren, diese Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. So sind viele Dinge entstanden, die für die Handelsbranche von grossem Nutzen sind.
Welche Themen hat die Handelsbranche in den vergangenen Jahren besonders geprägt?
Michael Gerling: Ohne Zweifel sind hier die technologischen Entwicklungen zu nennen. Ohne leistungsfähige Technologie sind die Unternehmen heute nicht mehr wettbewerbsfähig. Und da ist natürlich in den letzten Jahren viel passiert. Die Einführung automatischer Bestellsysteme, die Automatisierung der Lager, Self-Check-out, Robotik und elektronische Regaletiketten, die Digitalisierung im Marketing, der Umstieg vom Bargeld auf elektronische Zahlungsverfahren, das Internet als Katalysator für den Wandel vom klassischen Versandhandel zum Online-Handel und jetzt kommt durch künstliche Intelligenz eine richtig grosse Revolution.
Wie hat sich das auf die Entwicklung und Ausrichtung des EHI ausgewirkt?
Michael Gerling: Das EHI hat sich in den letzten Jahren immer stärker auf technologische Themen fokussiert. Früher hatten wir Expertenkreise Obst und Gemüse, Fleisch, Drogeriewaren und viele andere Sortimentsthemen. Heute stehen IT, POS-Systeme, Self-Check-out, E-Commerce, Payment, künstliche Intelligenz und digitales Marketing im Mittelpunkt.
Vom Handel für den Handel – dieses Motto haben Sie massgeblich mitgeprägt. Was war die Idee dahinter?
Michael Gerling: Schon bei der Gründung des EHI vor 75 Jahren ging es darum, dass wir mit harten Fakten die Situationen im Einzelhandel beleuchten. Durch unser Netzwerk und unsere engen Verbindungen zu den Unternehmen können wir heute vertrauliche Daten von einzelnen Unternehmen gewinnen und aus diesen ein Gesamtbild des Marktes erstellen. Das sind erstklassige Informationen, die es nirgendwo anders gibt. Wir können sehr dankbar sein, dass die Unternehmen uns vertrauen und uns diese sensiblen Daten zur Verfügung stellen. Und ja, die Unternehmen wissen, dass keine Daten einzelner Unternehmen an die Öffentlichkeit gelangen.
Sind Sie rückblickend mit dem Erreichten zufrieden?
Michael Gerling: Es wäre sicher noch vieles möglich gewesen. Aber ich muss auch sagen, dazu braucht es natürlich eine grosse Solidarität innerhalb der Branche. Sowohl horizontal wie auch vertikal. Da gibt es aus meiner Sicht noch Luft nach oben.
Was werden Sie künftig machen? Bleiben Sie der Branche in anderen Funktionen erhalten?
Michael Gerling: Ich werde in meinem 63. Lebensjahr aus den Diensten des EHI ausscheiden. Das habe ich schon vor fünf Jahren entschieden. Wir haben ein kompetentes und engagiertes Team und die gute Entwicklung des Institutes wird unter der Führung von Ulrich Spaan fortgesetzt, auch, wenn die Zeiten insgesamt nicht leichter werden. Ein Rentnerleben kann ich mir allerdings im Moment noch nicht vorstellen. Ich werde als Geschäftsführer des MLF, einem Verein selbstständiger Kaufleute des Lebensmittelhandels, aktiv bleiben und sicherlich auch in der Branche noch ein paar Aufgaben wahrnehmen.