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Schweiz: Starker Bio-Trend

Montag, 18. November 2019
Foto: iStock (Tatrano)

Im Schweizer Detailhandel gibt es nicht viele Trends, die sich über Jahre hinweg positiv entwickeln. Eine grosse Ausnahme bilden Bio-Produkte, die aus mehreren Gründen zulegen.

Der Umsatz von biologisch hergestellten Lebensmitteln wächst in der Schweiz seit einigen Jahren mit kontinuierlich hohen Raten. Im Lebensmittelhandel legten Bio-Produkte von 2017 bis 2018 um acht Prozent und 2019 sogar um elf Prozent zu. Das geht aus der MAT-Betrachtung (moving annual total, rollierendes Jahr) des Nielsen Handelspanels hervor.

Bei dieser Entwicklung stellt sich allerdings immer wieder die Frage, ob die Zuwachsraten vorrangig von den Konsumenten getrieben werden, oder ob der Druck aus dem Detailhandel selbst hierfür verantwortlich ist. Die Antwort lautet: sowohl als auch. Tatsächlich entwickelt sich die Anzahl der Produkte, gemessen über die Sortendichte aus dem Nielsen-Handelspanel, noch stärker als die Umsätze. Im Beobachtungszeitraum 2019 der Studie zählte Nielsen pro durchschnittlichem Lebensmittelgeschäft knapp 13 Prozent mehr biologische Produkte als im Vorjahreszeitraum. Diese grössere Auswahl wird aber vom Konsumenten auch honoriert, wie die von acht auf elf Prozent gestiegene Umsatzsteigerung zeigt.

Bio für jeden Händler relevant

Das Handelspanel von Nielsen kann zudem zeigen, ob der Trend über alle Kanäle und Warengruppen hinweg beständig ist, ob nur einzelne Marktteilnehmer und Warengruppen davon profitieren können. Für Händler stellt sich vor allem auch die Frage, ob es eine sichtbare Gruppe von Konsumenten gibt, die sich ganz bewusst und konsequent mit Bio-Produkten eindeckt. Die Analyse zeigt auch, wie die Bio-Käufer sich verhalten und welche Zielgruppen für den Detailhändler als Bio-Käufer besonders interessant sind. «Wir wissen, dass praktisch jeder Haushalt mindestens einmal pro Jahr biologische Produkte einkauft», sagt Markus Brand, Senior Analytic Consultant bei Nielsen. Insofern ist das Sortiment für jeden Händler relevant. Auffallend ist, dass beinahe 80 Prozent der Bio-Umsätze von lediglich einem Drittel der Konsumenten getätigt werden. Diese Intensivkäufer an das eigene Geschäft zu binden, ist also aller Mühen wert.

Die Mehrheit kauft Bio

Bei der Detailanalyse kommt Nielsen zu dem Ergebnis, dass diejenigen Haushalte, bei denen Bio-Produkte weniger als fünf Prozent ihrer gesamten Einkäufe ausmachen, eher aufgrund von Promotionen oder fehlender Alternativen zum Bio-Produkt greifen. Im vergangenen Jahr kauften aber bereits knapp 24 Prozent aller Schweizer Haushalte im Durchschnitt fünf bis zehn Prozent Bio-Produkte (s. Infografik) – ein deutlicher Anstieg zum Vorjahr (22 %). Mehr als 50 Prozent aller Schweizer Haushalte kaufen schon regelmässig biologische Produkte, zwar nicht für den gesamten Warenkorb, aber für bestimmte Warengruppen. Und auch die Zahl der Haushalte, welche mehr als 30 Prozent ihres Einkaufsbudgets für Bio ausgeben, wächst ständig: von 5,5 Prozent 2017 auf 6,8 Prozent im Jahr 2019. Der Anteil der Intensiv-Käufer, deren Einkäufe zu mehr als 40 Prozent aus Bio-Produkten bestehen, liegt heute bei 3,4 Prozent nach 2,9 Prozent im Jahr 2017. Nielsen-Consultant ­Markus Brand geht davon aus, dass sich das Wachstum des Schweizer Bio-Marktes fortsetzt: «Dies sind deutliche Indikatoren dafür, dass sich der Bio-Trend im Einkaufsverhalten festgesetzt hat. Wir rechnen mit einer weiteren Zunahme in den kommenden Jahren.»

Info

Nachhaltiger Konsumwandel in der Schweiz
Obwohl Nachhaltigkeit schon seit einigen Jahren in den Köpfen der Menschen verankert ist, wird erst jetzt richtig spürbar, wie dies die alltäglichen Kaufentscheidungen verändert. Zu diesem Ergebnis kommt Nielsen Switzerland in der Studie «Nachhaltiger Konsumwandel in der Schweiz». «Innerhalb von FMCG ist es heute üblich, dass wir über Abfall, Nachhaltigkeit und Markenreputation nachdenken, bevor wir unseren nächsten Kauf tätigen», lautet ein Kernergebnis.

In der Schweiz geben über 40 % der befragten Konsumenten an, dass sie bereit wären, ein neues Produkt auszuprobieren oder von ihrer Lieblingsmarke weg zu wechseln, wenn das neue Produkt von einer sozial verantwortlichen Marke stammt. Und mehr als die Hälfte würde ein neues Produkt ausprobieren, wenn es lokal produziert wird.

Gleichzeitig wächst der Bedarf an Convenience. 25 % der Schweizer sind auf der Suche nach Produkten, die ihnen das Leben leichter machen. Diese komplexe Nachfrage nach Produkten, die convenient und gut für den Konsumenten, gleichzeitig aber auch gut für die (Um-)Welt sind, bietet laut Nielsen «enorme Wachstumschancen für Händler und Hersteller, welche eine Kombination dieser Faktoren richtig verstehen».