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Kampfansage an Knotenbeutel

Dienstag, 18. Dezember 2018
Foto: F1online

Nach der umweltschädlichen Plastiktüte will sich der Handel nun auch schrittweise vom Einweg-Knotenbeutel verabschieden. Welche Alternativen bereits in den Märkten erprobt werden.

Die klassischen Plastiktüten für den Lebensmitteleinkauf hat der Lebensmittelhandel weitgehend aus den Kassenbereichen verbannt. Die dünnen, durchsichtigen Plastikbeutel für Obst und Gemüse, auch Knotenbeutel oder Hemdchentüten genannt, sind jedoch nach wie vor milliardenfach im Umlauf. Auch an den Bedientheken kommen sie zum Einsatz für Wurst, Fleisch oder Käse – um nach einmaligem Gebrauch im Restmüll zu landen – oder in der Natur.

Verpackungsfreier Einkauf

Nun will der Handel auch dies nicht länger hinnehmen: Supermarkt-Filialisten und Discounter ziehen nach und bieten umweltfreundlichere Mehrwegalternativen an. Zu ihnen zählen auch MARKANT Partner wie tegut oder das österreichische Unternehmen MPREIS. Die Tiroler setzen neben den wiederverwendbaren Einkaufstaschen aus Fairtrade-Baumwolle mit dem neuen «Smart-Bag» auf eine weitere Alternative zu den Knotenbeuteln. Die Netztaschen bestehen aus recyceltem Polyester, werden mit einer Kordel verschlossen, sind bei 30 Grad waschbar und können beliebig oft verwendet werden, heisst es aus der Zentrale. Auch tegut bietet Mehrweg-Frischenetze in seinen Märkten an; zudem stehen den Kunden recyclingfähige Knotenbeutel zur Verfügung, die zu 85 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Ausserdem hat sich tegut auf einen schon seit dem guten alten Tante-Emma-Laden bekannten Service besonnen: Kunden können zu ihrem Einkauf jetzt wieder eine eigene Box oder Dose von zuhause mitbringen und an den Frischetheken befüllen lassen. Dies scheint auch im Zeitalter strenger Hygienevorschriften für die Lebensmittelsicherheit wieder ein praktikables Modell zu sein: Bei tegut kommt das Thekenpersonal mit den Behältnissen der Kunden gar nicht direkt in Kontakt, denn der Kunde reicht seinen geöffneten Behälter per Tablett über die Theke und erhält ihn befüllt auf diesem Wege zurück, verschliesst ihn selbst wieder und klebt auch das entsprechende Preisetikett selbst auf.

«Die Kundenakzeptanz ist seit dem Start im April 2018 durchweg positiv», berichtet Pressesprecher Michael Krause. Die Nachfrage nach dem verpackungsfreien Einkauf steige kontinuierlich an. Seit dem Sommer werden zudem sogenannte umweltfreundlichere Flat-Skin-Verpackungen bei den Frischfleisch-Eigenmarken tegut Bio und tegut LandPrimus angeboten, die bis zu 75 Prozent weniger Kunststoff als herkömmliche Kunststoffverpackungen verbrauchen. Zudem ermöglichen diese Packungen ein sortenreines Trennen und Recyceln über die gelbe Tonne und Altpapier.
Die Drogeriemarktfilialisten dm und Rossmann suchen unterdessen mit Lieferanten wie Beiersdorf, Henkel, Weleda und anderen in dem neu gegründeten Rezyklat-Forum gemeinsam nach
Lösungen, um das Wertstoffrecycling für Verpackungen zu erhöhen – wie es auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze in dem kürzlich vorgelegten Fünf-Punkte-Plan fordert. Gemeinsam wolle man «die Entwicklungen für nachhaltige Verpackungen anstossen und mitgestalten. Zugleich gehe es darum, «das Bewusstsein von Millionen Menschen für einen funktionierenden Wertstoffkreislauf zu fördern», erläutert Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer und Initiator des Rezyklat-Forums.

Innovative Recyclinglösungen

Aus Sicht der Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut hat die Recyclingtechnologie bislang nicht Schritt gehalten mit der Entwicklung der Verpackungstechnologie. Für die Herstellung noch dünnerer und zugleich immer vielschichtigerer Folien habe die Recyclingtechnologie noch keine adäquate Lösung gefunden. Fast immer ist Polyethylen ein wichtiger Bestandteil dieser Kunststoffmischungen. Hier lässt allerdings eine neue Verfahrenstechnik, die am Fraunhofer Institut entwickelt wurde, aufhorchen. Danach ist es gelungen, Polyethylen aus der Verpackung gezielt herauszulösen und ein Granulat von so hoher Qualität herzustellen, dass daraus neue Folien produziert werden können. «Downcycling ist nicht mehr notwendig, damit bleibt der Rohstoff im Kreislauf», pries kürzlich Dr. Martin Schlummer, Leiter Verfahrenstechnik und Verpackung, in einer Nachrichtensendung diesen Schritt zur Verbesserung der Recyclingtechnologie an. Er fordert: «Wir brauchen hochwertige Recyclate aus Verpackungsabfällen – wenn das gelingt, werden immer mehr Verpackungshersteller auf solche Folien zurückgreifen.» Nun müsse die Politik die richtigen Weichen stellen.

 

Info

Auslaufmodell

Immer mehr Handelsunternehmen in den DACH-Ländern sagen mit eigenen Initiativen und Selbstverpflichtungen dem Plastikmüll den Kampf an und testen am Point of Sale die
Akzeptanz für umweltverträglichere Verpackungsalternativen bei Lebensmitteln.

Dies zeigt bereits Wirkung: Der Verbrauch von Plastiktüten ist laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung in Deutschland bereits deutlich gesunken, und zwar von durchschnittlich 45 Tüten pro Kopf und Jahr (2016) auf 29 Tüten (2017). Die völlige Abschaffung der Plastiktüte vielerorts auf den Verkaufsflächen beziehungsweise die Abgabe nur gegen Entgelt haben dazu geführt, dass immer mehr Verbraucher eigene Transportbehältnisse zum Einkauf mitnehmen wie etwa Stoffbeutel, Papiertüte oder Klappbox.

Mehrwegalternative

Seit Juli 2018 bietet tegut mit Mehrwegbeuteln für den Einkauf von Obst und Gemüse eine Alternative zu den herkömmlichen Knotenbeuteln an. Auch MPREIS setzt seit Oktober 2018 mit der «Smart-Bag» zukunftsweisende Signale.