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Die Expansion geht weiter

Dienstag, 29. Januar 2019
Foto: Mauritius Images

Die meisten deutschen Händler wollen ihr Filialnetz ausbauen – und kalkulieren dabei auch bessere Mietkonditionen ein. Die Mischnutzung neuer Objekte stösst indes bei vielen auf Skepsis.

Der deutsche Handel ist optimistisch gestimmt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie «Expansionstrends 2018“, die das Kölner EHI Retail Institute in Kooperation mit der auf Handelsimmobilien spezialisierten Hahn Gruppe aus Bergisch-Gladbach durchgeführt hat. Die meisten Expansionsmanager prognostizieren steigende Umsätze und mehr Filialen. Fast zwei Drittel der Händler (64 %) rechnen mit mehr Standorten als im Vorjahr und 20 Prozent erwarten diesbezüglich keine Veränderung. Besonders expansiv  eingestellt sind die Branchen Lebensmittel und Drogerie, die zu 44 beziehungsweie 33 Prozent einen Flächenzuwachs erwarten. Schon im ersten Halbjahr 2018 waren Mieter aus dem Lebensmitteleinzelhandel und Drogerien in der Vermietungsstatistik die aktivsten Neumieter von Handelsflächen. Unter den ersten fünf waren die MARKANT Partner dm-drogerie markt und Rossmann.

Drogerien zeigen sich aktiv

Auf die Verkaufsfläche insgesamt wird sich diese Entwicklung allerdings nur bedingt auswirken: Nur 27 Prozent möchten die Flächen einzelner Objekte vergrössern. Dazu gehören vor allem Lebensmittelhändler, die ihren Kunden mehr Komfort beim Einkaufen bieten wollen. In anderen Branchen, besonders im Textilhandel, führt der Trend zum Omnichannel aber zu einem geringeren Platzbedarf, weil nicht mehr das gesamte Warenangebot im Laden verfügbar sein muss. Auch wird die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit als Grund für eine Verkleinerung der Flächen genannt.

Zufrieden zeigen sich die Händler mit der Entwicklung ihrer Mietvertragskonditionen, die tendenziell weiter zu ihren Gunsten ausfallen. Dass sich die Mietverträge zuletzt allgemein verbessert haben, bestätigen 26 Prozent der Befragten; nur zwölf Prozent sprechen von einer Verschlechterung. 37 Prozent bestätigen sinkende Mieten, 39 Prozent optimierte (kürzere) Laufzeiten und 46 Prozent eine Verbesserung der Sonderkündigungsrechte.

Ein aktuelles Thema ist die Mischnutzung bei neuen Immobilien. Rund ein Drittel der Expansionsmanager bewertet die Ergänzung mit Wohn- und Büronutzung oder Arztpraxen als gut geeignet. Neben den führenden deutschen Discountern, die zuletzt mit grossangelegten Neubauplänen Schlagzeilen machten, setzen auch Supermarktbetreiber wie tegut bei neuen innerstädtischen Standorten auf kombinierte Wohn- und Geschäftshäuser. Allerdings beurteilen gut 40 Prozent der Lebensmittelhändler eine Mischnutzung aus Wohnen und Lebensmitteleinzelhandel als weniger geeignet. Nach Ansicht der Autoren der Studie sind die hohen Projektkosten ein Grund für die Skepsis. Kristina Pors, Projektleiterin Handelsimmobilien beim EHI, resümiert: «Der Einzelhandel kann dieser Form von Immobilie durchaus positive Aspekte abgewinnen, aber solche Formate gehören – entgegen des Medienhypes – noch lange nicht zum täglichen Geschäft der Unternehmen.»

Wunschlage Innenstadt

Ungetrübt ist nach wie vor das Interesse an den Grossstädten (ab 100 000 Einwohner), während die Expansionstendenz in Kleinstädte (bis 20 000), leicht rückläufig ist. In den Grossstädten zieht es die Händler bevorzugt in die Zentren, gefolgt von Stadteilzentren, Fachmarktzentren und ziemlich gleichrangig Shopping-Centern. Interessant ist noch ein anderer Aspekt der Studie: Obwohl den Deutschen gemeinhin eine ausgeprägte Preissensibilität attestiert wird, halten nur 14 Prozent der Expansionsleiter eine aggressive Preispolitik für einen Wettbewerbsfaktor. Zwei Drittel hingegen denken, dass eine kompetente Beratung und eine gute Einkaufsatmosphäre entscheidende Vorteile bringen können.

Info

Schweiz und Österreich –
Märkte unter Druck

In der Schweiz prägen Leerstände den Verkaufsflächenmarkt. Nur an Shoppingmeilen in Zürich, Bern, Basel und Genf bleibt die Flächennachfrage relativ hoch, so das Fazit des «Real Estate Focus 2019» der UBS Switzerland AG. Die Angebotsmieten von Verkaufsflächen sanken im Schweizer Durchschnitt um acht Prozent seit 2012. In den Grosszentren waren die Rückgänge grösser: je 20 Prozent in Bern und Genf sowie 15 Prozent in Zürich. Auch im laufenden Jahr rechnet die UBS mit rückläufigen Angebotsmieten im Landesdurchschnitt und begründet dies mit der «übermässigen Flächenausweitung in der Vergangenheit» und der zunehmenden Verlagerung der Detailhandelsumsätze hin zum Online-Handel.

In Österreich ist die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte 2017 um ein Prozent zurückgegangen. Damit zeichnet sich ein Stopp des Verkaufsflächenschwundes ab, wie die «Strukturanalyse im stationären Einzelhandel 2018» zeigt, erstellt von der KMU Forschung im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich. Aktuell gibt es 37 400 Geschäfte mit rund 13,7 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche. Trotz konstanter Zahl an Geschäften weist der LEH ein Flächenwachstum auf. Während die Filialisten expandieren, sind 2017 kleinere Einzelunternehmen aus dem Markt ausgeschieden.