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Beliebter Klassiker der Saison

Dienstag, 29. Januar 2019
Foto: Mauritius Images

Spargel ist bei Konsumenten sehr beliebt und sorgt im Handel mit frischen Impulsen für Vermarktungspotenzial. Im Spargelanbau steht man indes vor Herausforderungen.

Wenn ab März der erste heimische Spargel erhältlich ist, steigt auch der Abverkauf typischer Spargelbegleiter. Dazu gehören Kartoffeln, Sauce Hollandaise, Lachs, roher und gekochter Schinken oder Weisswein, aber auch Non-Food-Produkte wie Spargelschäler und –töpfe oder Weissweingläser. «Verbundplatzierungen bieten die Chance für maximalen Zusatzumsatz in der Saison», sagt Cornelia von Kamp, Category Manager bei Unilever. Produkte, die für das klassische Spargelrezept stehen, sollten daher im direkten Umfeld zu Spargel in der Obst- und Gemüseabteilung platziert werden. Etwa mit aufmerksamkeitsstarken Displays oder auch Holzkisten, wenn der Spargel in solchen angeboten wird, wie es bei Nestlé heisst. «Denkbar ist aber auch – sofern vorhanden – die Platzierung am Hofladenstand des regionalen Spargelbauern im Markt oder Eingangsbereich», so ein Tipp von Rila Feinkost-Importe.

Für gekühlte Produkte, beispielsweise Fisch, empfiehlt Deutsche See eine «prominente Aktionsplatzierung in der Frische- und Feinkosttheke, die mit Thekenaufstellern oder Rezeptkärtchen unterstützt wird.» Eine mobile Theke in der Obst- und Gemüseabteilung fördere den Verkauf zusätzlich. Unilever empfiehlt zudem Cross-Selling-Aktionen mit Couponings zur Incentivierung von Frischware, wie speziellen Schinkensorten oder Hackfleisch für Aufläufe.

Die bei Verbrauchern beliebte Direktvermarktung der Spargelhöfe kann der LEH ein Stück weit kopieren, indem er eine ähnliche Atmosphäre mit positiven Einkaufserlebnissen schafft. Kathrin Runge, Marketingleiterin bei Friedrichs, empfiehlt eine spezielle Spargelwelt aufzubauen, «mit allem, was für den perfekten Genuss benötigt wird.» Und dies entsprechend zu inszenieren: «Spargel steht für Frühlingsanfang – die Sehnsucht nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen lässt sich etwa mit einer sonnengelb-grünen und natürlichen Deko mit Frühblühern, frischer Petersilie und Kräutern erfüllen.»

Auch frische Erdbeeren eignen sich als Verbundplatzierung, sagt Jörg Saalwächter, Marketingleiter beim Importhaus Wilms. Als weiteres Produkt könne man hier noch Balsamico-Creme einbinden, die «wunderbar mit Erdbeeren harmoniere». Saalwächters Tipp: «Besonders zu saisonalen Highlights wie der Spargelzeit sind Verbraucher offen für Neues und wollen sich inspirieren lassen.» Thementische für Salatkombinationen könnten mit hochwertigen Öl-, Essig- und Senfvariationen für Impulse sorgen. Zudem biete die Spargelzeit einen idealen Aufhänger für das Trendthema gesunde Ernährung. «Statt der klassischen Buttersauce kann sich der POS mit gesunden Alternativen wie hochwertigen Olivenölen differenzieren», so Saalwächter. Für Konsumenten mit besonderen Ernährungsbedürfnissen seien auch vegane oder laktosefreie Varianten der klassischen Sauce Hollandaise verfügbar, ergänzt Nestlé.

Um Kunden bei neuen Kombinationen auf den Geschmack zu bringen, eignen sich vor allem Verkostungen. «Oft verleitet das Probieren zum Kauf oder, wenn ein Produkt nicht zusagt, kann ein anderer Spargelbegleiter vorgeschlagen werden», hat man bei Deutsche See beobachtet. Auch grosse Abbildungen von Gerichten oder der Aufbau innovativer Spargelrezepte als Kombiplatzierung sorgen für Aufmerksamkeit, heisst es bei Unilever: «Niemand möchte die klassische Zubereitung sieben Tage die Woche essen – neue Ideen müssen her.»

Randnotiz

Zum Einsatz von Plastikfolien im Spargelanbau

Heimischer Spargel ist zwar ein Saisongemüse, aber damit die Saison schon Ende März beginnen kann, helfen fast alle Spargelbauern mit Folie nach. Mit riesigen Planen decken sie die Felder ab, was für den Spargelbauern viele Vorteile hat: Die Stangen wachsen besser und gleichmässiger und ihre Spitzen können sich nicht verfärben. Es wird weniger Wasser benötigt, zudem wächst unter den Folien kein Unkraut. Zugleich sind sie aber auch ein grosses Umweltproblem: Durch die starke Verschmutzung können alte oder beschädigte Planen nicht recycelt werden. Ausserdem muss davon ausgegangen werden, dass Plastikpartikel in den Boden gelangen.

Einige wenige Spargelbauern in Deutschland verzichten daher auf Folien, etwa Familie Rehm aus Linden im Schrobenhausener Land, die den Spargel in freier Natur wachsen und reifen lässt – was auch für besseren Geschmack sorgen soll. Die grosse Mehrheit des heimischen Spargels wird allerdings unter Folie gezogen: Bei einer Befragung des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) e.V. gaben etwa nur zwei von 73 Betrieben an, keine Folie zu verwenden. Zur Umweltproblematik erklärt VSSE-Vorstandssprecher Simon Schumacher: «Die Betriebe verwenden die Spargelfolie bis zu zwölf Jahre und entsorgen sie danach fachgerecht. Eine spezielle Kennzeichnung für Spargel ohne Einsatz von Folie gibt es nicht.»

Willy Kreienbaum, Vorsitzender der Vereinigung westfälisch-lippischer Spargelanbauer und der Spargelstrasse Nordrhein Westfalen, ergänzt: «Nach wie vor verlangen die deutschen Verbraucher reinweissen Spargel. Zeigt sich auch nur eine leicht violette Färbung in der Spitze, sind diese Stangen nicht mehr als erste Qualität zu verkaufen, obwohl an ihnen nichts auszusetzen ist – diese Qualität ist nur mit der Hilfe der Folien zu erreichen.»

Auch im Bio-Anbau ist der Einsatz von Folie erlaubt. Beim Anbauverband Demeter sind jedoch Plastikfolien aus PVC generell verboten, wie Sprecherin Susanne Kiebler erklärt: «Mehrfach verwendbare Folien oder Folien aus nachwachsenden Rohstoffen sind hingegen erlaubt und werden teilweise verwendet.» Verbrauchern, die folienfrei angebauten Spargel möchten, rät Kiebler «Spargel dann zu kaufen, wenn er im Freiland ohne Folienanbau Saison hat – also je nach Witterung meist Ende April.»  Wenn der Handel folienfrei angebauten Spargel anbieten wolle, könne er mit dieser Anforderung vorab auf die Betriebe oder den Grosshandel zugehen.
 

Info

Welchen Einfluss das Wetter auf Erntemenge, Qualität und Marktpreis von Spargel haben, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE):

«Aufgrund des kühlen Wetters in diesem Winter haben die Spargelpflanzen weniger Energie verbraucht, wodurch im Frühling die Stoffwechselprozesse stärker in Gang gesetzt werden. Die Saison 2019 wird deswegen, vorausgesetzt es gibt ein sonniges Frühjahr, voraussichtlich relativ früh sein. Hauptfaktor für Erntemenge und Qualität ist neben dem professionellen Anbau das Wetter. In der vergangenen Saison 2018 war es über lange Zeiträume sehr heiss, ohne dass es nochmals eine kühlere Phase gab. Dies führte zu sehr hohen Erntemengen, die aufgrund des hohen Angebots zu fallenden Preisen führten. Der Preis für Spargel geriet 2018 nach einem guten Saisonstart unter Druck, da es bereits im April zu Rekordtemperaturen und hohen Erntemengen kam. Viele Betriebe haben daher Flächen reduziert, indem sie keine Junganlagen mehr angelegt und Altanlagen frühzeitig aus der Ernte genommen haben. Für die Wirtschaftlichkeit der Spargelbetriebe ist es wichtig, dass nach dem sehr schlechten Spargeljahr nun eine Saison mit besseren Preisen kommt.»

 

Info

Können bald Roboter das Problem der fehlenden Erntehelfer lösen?

Auch 2019 wird es für viele Spargelbauern wieder ein Problem werden, genügend Erntehelfer zu finden. Abhilfe könnte der Einsatz von Ernterobotern bringen, wie er in Pilotprojekten bereits erprobt wird. Nur eine Spielerei oder eine wirkliche Lösung? Das MARKANT Magazin hat nachgefragt:

«Es gibt verschiedene innovative Unternehmen, die kurz vor der Markteinführung von Ernterobotern stehen», erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des VSSE. «Wie immer bei Neuentwicklungen gibt es aber noch keine belastbaren Erfahrungen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit. Im Moment sind Erntehelfer-Teams nicht wegzudenken. Eine weitere Mechanisierung der Ernteprozesse ist aber auf alle Fälle die Zukunft.»

In Nordrhein-Westfalen seien Ernte-Roboter vorerst kein Thema, sagt Willy Kreienbaum von der Vereinigung westfälisch-lippischer Spargelanbauer und der Spargelstrasse Nordrhein-Westfalen. «Für den Einsatz von Ernterobotern braucht man grosse Flächen – unsere Betriebe arbeiten sehr oft auf kleineren Flächen, bei denen sich eine Automatisierung in absehbarer Zeit nicht lohnen wird.» Zudem sei der Helfer-Mangel hier weniger akut: «Unsere Betriebe zahlen in der Regel mehr als den Mindestlohn, dazu arbeiten viele mit Vergünstigungen wie Tankgutscheinen oder kostenlosem W-Lan. Auch herrscht bei vielen unserer Spargel-Anbauer ein freundschaftliches und familiäres Verhältnis zu den Saisonkräften. Dadurch kommen viele oft über Generationen hinweg immer wieder gerne in die Betriebe.»

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Für die Rotbarschfilet-Röllchen «Spargel» werden Rotbarsch-Filets mit einer aromatischen Hollandaise Marinade verfeinert und per Hand zusammen mit grünem und weissem Spargel zu Röllchen gewickelt.

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«Für Geniesser Sauce Hollandaise» gibt es neben der klassischen auch als fettarme Variante.

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