Der Rum-Markt steht unter Druck. Dennoch bieten klar profilierte Sortimente Chancen: gereifte Qualitäten für den bewussten Genuss, vielseitige Cocktail-Basen und Ready-to-Drinks für unkomplizierte Anlässe. Erfolgsentscheidend ist, die Kategorie am POS nicht primär nach Preis, sondern nach Stil, Herkunft und Verwendungsanlass zu strukturieren.
Der deutsche Spirituosenmarkt bleibt anspruchsvoll: Konsumenten kaufen selektiver, trinken seltener und erwarten häufiger einen nachvollziehbaren Mehrwert. Auch die Kategorie Rum entwickelt sich im deutschen LEH rückläufig. Im Jahr 2025 sank laut dem Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent auf 34,9 Millionen Flaschen à 0,7 Liter. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 377,9 Millionen Euro zurück. Innerhalb der Kategorie zeigen sich jedoch unterschiedliche Entwicklungen. Während nach Einschätzung mehrerer Branchenexperten weisser Rum als klassische Cocktailbasis an Bedeutung verliert, bleiben braune und gereifte Rum-Qualitäten vergleichsweise stabil. Zusätzliche Impulse versprechen Spiced- und Flavoured-Rums sowie rum-basierte Ready-to-Drinks (RTDs). Diese Entwicklung passt zu einem Konsumverhalten, bei dem weniger, dafür bewusster und hochwertiger eingekauft wird. «Der Markt für Spirituosen und damit auch für Rum ist aktuell anspruchsvoll», so Agata Moryl, Commercial Brand Manager Crossfire Hurricane bei Stock Spirits. Dennoch sieht sie Chancen: «Die Nachfrage nach gereiften Rums bleibt weiterhin hoch. Sie gehören neben Single-Cask-Abfüllungen, Spiced und Flavoured Rums entgegen dem Trend zu den Wachstumstreibern des Segments.» Niklas Milesi, Head of Brand Management bei Pernod Ricard Deutschland, bestätigt diese Entwicklung: «Wachstum findet vor allem im Super-Premium-Bereich statt, insbesondere bei braunem Rum.»
Vom Mixgetränk zum Genussprodukt
Rum entwickelt sich zunehmend von der reinen Mix-Spirituose zu einem vielseitigen Genussprodukt. Neben Cocktails und Longdrinks gewinnt der pure Genuss an Bedeutung. Herkunft, Reifung, Produktionsweise und eine glaubwürdige Geschichte werden dabei zu wichtigen Kaufargumenten. «Damit spielt Premiumisierung im Rum-Segment eine anhaltend wichtige Rolle, denn Rum wird zunehmend als hochwertige Genuss- und Sipping-Spirituose wahrgenommen», berichtet Nils Rieckmann, Head of Trade Marketing bei Brown-Forman Deutschland. Zahlungsbereitschaft entstehe vor allem dann, wenn Qualität, Reifung, Herkunft, Authentizität und eine besondere Machart erkennbar vermittelt würden. Daten von NielsenIQ im Auftrag von Brown-Forman zeigen: Im Super-Premium-Plus-Segment mit einem durchschnittlichen Preis von über 29 Euro gewann Rum über einen längeren Betrachtungszeitraum Marktanteile. Zuletzt zeigte sich das Segment zwar leicht rückläufig. Dennoch bestätigt die Entwicklung die Relevanz hochwertiger Angebote am Point of Sale. Das klassische Premium-Segment zwischen 21 und 28,99 Euro steht dagegen stärker unter Druck. Für den Handel bedeutet das: Ein höherer Preis allein reicht nicht aus. Entscheidend sind nachvollziehbare Qualitätssignale und eine klare Differenzierung am Regal.
Herkunft schafft Orientierung
Besonders bei gereiften Rums gewinnt die Herkunft an Gewicht. Barbados, Jamaika, Kuba oder die Dominikanische Republik stehen für unterschiedliche Stilistiken und Aromaprofile: von weich und ausgewogen über fruchtig-intensiv bis hin zu würzig und fassbetont. Für die Sortimentsgestaltung bietet sich deshalb eine einfache Orientierung nach Herkunft und Geschmacksstil an. Konsumenten können dadurch schneller erkennen, ob ein Rum eher mild und zugänglich, fruchtig und intensiv oder würzig und fassbetont ausfällt. «Herkunft, Reifung und Produktionsverfahren sind heute wichtige Qualitätsindikatoren und beeinflussen die Kaufentscheidung zunehmend», so Andreas Wiech, Managing Director bei Eggers & Franke. Besonders gefragt seien gereifte Caribbean Rums, Premium-Rums aus Barbados sowie charakterstarke Stile mit klar erkennbarem Herkunftsprofil.
Jamaika steht etwa für intensive Fruchtaromen, markante High-Ester-Noten und geschmackliche Tiefe. Crossfire Hurricane von Stock Spirits vereint Destillate der Traditionsdestillerien Hampden Estate, Long Pond, Worthy Park und Clarendon. Kuba wiederum ist für viele Konsumenten eng mit klassischer Rum-Kultur verbunden. Bei Eminente verweist Moët Hennessy auf die kubanische Herkunft, die Reifung in ehemaligen Bourbon-Fässern sowie eine transparente Kommunikation zu Zutaten und Zuckergehalt. Auch für Whisky-affine Zielgruppen bieten gereifte, limitierte oder im Fass veredelte Rums Potenzial.
Cocktails als Einstieg
Gleichzeitig bleibt Rum eine zentrale Basisspirituose für Cocktails. Mojito, Cuba Libre oder Piña Colada sind weithin bekannt und bieten einen einfachen Zugang zur Kategorie. Gerade jüngere Erwachsene und Frauen konsumieren Rum häufig gemixt. Dazu sagt Niklas Milesi: «Bei Frauen und in der Gen Z wird Rum sogar nahezu ausschliesslich gemixt konsumiert.» Der Mojito zähle neben dem Spritz zu den beliebtesten Drinks in Deutschland. Cocktails bleiben deshalb ein wichtiger Anlass – in der Gastronomie ebenso wie zu Hause. RTDs können diesen Einstieg zusätzlich vereinfachen. Dosen und trinkfertige Varianten wie Rum-Cola oder Mojito sprechen spontane Konsumanlässe und den Unterwegs-Konsum an.
Klare Struktur am POS
Rum sollte im Regal als vielseitige Kategorie sichtbar werden – vom unkomplizierten Mixgetränk bis zur hochwertigen Spirituose für den puren Genuss. Eine klare Architektur kann dabei Orientierung schaffen: Weisser Rum für Cocktails und Longdrinks, Spiced-, Flavoured- und RTD-Produkte für unkomplizierte, spontane Anlässe; gereifte Rums nach Herkunft und Geschmacksprofil für den bewussten Genuss; limitierte und besonders hochwertige Abfüllungen als Impuls für anspruchsvolle und Whisky-affine Zielgruppen. Regalstopper, kurze Geschmackshinweise und einfache Cocktail- oder Servierempfehlungen helfen, die Unterschiede verständlich zu machen. So lässt sich der Preis besser einordnen und die Kategorie gewinnt an Profil.
Tipps für den Point of Sale
1. Regal nach Genussanlass strukturieren
Klare Segmente wie «Cocktails & Longdrinks», «Gereift & pur geniessen», «Spiced & Flavoured» sowie «RTDs» erleichtern die Orientierung. Herkunfts- und Geschmackswelten schaffen zusätzliche Kaufimpulse.
2. Premium verständlich erklären
Bei gereiften Rums sollten Reifedauer, Herkunft, Fassart und Geschmacksprofil direkt am Regal sichtbar sein. Hinweise wie «ideal pur oder auf Eis» senken die Einstiegshürde.
3. Cocktails als Kaufanlass nutzen
Rezeptkarten, Zutaten-Bundles und Platzierungen mit Limetten, Cola, Ginger Beer oder Cocktailzubehör machen die Verwendung konkret. Saisonale Themen wie «Sommercocktails», «Tiki Night» oder «Winterdrinks» erhöhen die Aufmerksamkeit.
4. Verkostungen gezielt einsetzen
«Besonders Verkostungen sind wirkungsvoll, da sich Qualität beim puren Genuss sofort erschliesst», betont Niklas Milesi von Pernod Ricard Deutschland. Tastings eignen sich besonders für gereifte und erklärungsbedürftige Premium-Rums.
5. Zweitplatzierungen mit Mehrwert schaffen
Displays, Geschenksets, Glaszugaben oder Food-Pairings erhöhen Sichtbarkeit und Wertigkeit. Brown-Forman setzt etwa bei Diplomático auf die Verbindung von Rum und Schokolade. Solche Genusskombinationen schaffen konkrete Impulskaufanlässe.
6. Preisaktionen dosiert nutzen
Premium-Rum sollte nicht dauerhaft über Rabatte verkauft werden. «Wichtig ist dabei, Premium-Produkte nicht dauerhaft über Preisaktionen zu vermarkten, um ihre Wertigkeit und Premium-Positionierung zu erhalten», erklärt Niklas Milesi. Besser funktionieren zeitlich begrenzte Anlässe, Probierformate und hochwertige Zugaben.
Quellen: Brown-Forman Deutschland, Eggers & Franke, Moët Hennessy, Pernod Ricard Deutschland, Stock Spirits GmbH