Der Alnatura Campus in Darmstadt wurde für seine Renaturierung von der UN ausgezeichnet. Nach langjährigen und vielfältigen Bemühungen ist das ehemals stark versiegelte Militärgelände in bemerkenswerter ökologischer Vielfalt neu erblüht.
Das Bio-Unternehmen Alnatura wurde 2026 mit dem Gelände seines Unternehmenssitzes unter die Top-Ten-Projekte der «UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen» gewählt. Der Campus in Darmstadt konnte die Jury in der Kategorie «Stadtnatur-Renaturierungsprojekt» mit seinem Konzept überzeugen. Ausgezeichnet wurden Projekte, die in deutschen Städten natürliche Lebensräume wiederherstellen, pflegen oder erhalten. Der Alnatura Campus liegt auf einem ehemals stark versiegelten Militärgelände. Auf dem Areal befindet sich das
Bürogebäude mit Stampflehmfassade, das bereits 2019 von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) die Zertifizierung mit der Bestnote Platin erhalten hat und 2020 mit dem «deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur» ausgezeichnet wurde. Eingebettet ist das Bürogebäude in ein 20 000 Quadratmeter grosses Aussengelände. Hiervon wurden 16 000 Quadratmeter renaturiert, die in grossen Teilen nicht betreten werden dürfen. «Der Alnatura Campus zeigt, dass Firmensitz und eine artenreiche Natur Hand in Hand gehen können», würdigt die Jury der UN-Dekade das
Ergebnis der langjährigen Bemühunngen.
Ort des Lernens
Der Campus ist laut Alnatura aber auch «ein Ort der Begegnung und des Lernens». So führt ein öffentlich zugänglicher Entdeckungspfad mit Infotafeln über das gesamte Gelände, zunächst entlang eines Naturteiches, vorbei an Bienenvölkern und weiten Magerwiesen. Dort wachsen seltene trockenresistente heimische Pflanzen, die ein optimales Areal für Zauneidechsen und andere Tierarten bieten.
Beispielhaft zeigen eine Obstwiese, ein kleiner Weingarten sowie ein Kräutergarten Elemente biologischer Landnutzung. Auch die 17 UN-Ziele für Nachhaltigkeit können auf dem Gelände in Form von interaktiven Stationen entdeckt werden. Die weitläufige Aussenfläche und ein Teich wird mit Regenwasser versorgt, das in einer unterirdischen Rigole mit einem Fassungsvermögen von einer Million Liter gesammelt wird.
Ein besonderes Projekt der Alnatura-Lehrlinge ist der «Tiny Forest»: 490 standorttypische Bäume und Sträucher ergeben auf rund 150 Quadratmetern einen artenreichen Mini-Wald. Auf dem Gelände finden sich aber auch die Betonelemente der früheren Militäranlage wieder- und zwar in Form von Mauern, Gehwegsteinen oder Sonnenbänken für Eidechsen.
Eiszeit-Boden aktiviert
Inzwischen haben sich verschiedene, teils seltene Tier- und Pflanzenarten insbesondere auf der Renaturierungsfläche angesiedelt, darunter Zauneidechsen, Steinkraut, Steppen-Wolfsmilch, Hasenklee und Rispen-Flockenblumen. Einige besitzen FFH-Schutzstatus. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist ein Abkommen der EU zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen. Die Auswahl der Pflanzen in allen Gartenbereichen sowie im Naturschutzbereich sind grundsätzlich an die standorttypische Vegetation, den sandigen Boden und die vorwiegend trockene Witterung angepasst. So wurde der magere Sandboden aus der letzten Eiszeit unter den militärischen Betonplatten wieder aktiviert und mit Saatgut von regionalen Magerwiesen versetzt. Auch die Auswahl der Neuanpflanzungen an Bäumen wurde dem Standort gemäss gewählt. Winterlinden, Elsbeeren, Eschen und Feldahorn dominieren das Bild.
Beispiel für Kreislaufwirtschaft
Die Entwicklung des Alnatura Campus ist ein fortwährendes Projekt. So werden seit 2022 die saisonal anstehenden Arbeiten gemeinsam mit den Mitarbeitern durchgeführt. Das Themenspektrum reicht vom Sensen der Wildblumenwiese über den Anbau von Biogemüse und biologischem Kompostieren bis hin zu Bienenseminaren und Obstbaumpflege. Das neueste Projekt ist der Lerngarten für Mitarbeiter, der Basiswissen zu biologischem Landbau vermittelt. Hier werden in Mischkultur und im jährlichen Fruchtwechsel rund 30 Biogemüse-Sorten angebaut. Es gibt noch viele weitere Einzelmassnahmen. So liefert Alnatura mit der eigenen Kompostherstellung und Lagerung von Gehölzschnitt in einer Benjeshecke auch Beispiele für Kreislaufwirtschaft auf dem Gelände.