Wild neu inszenieren

Mittwoch, 30. September 2026
Foto: DJV

Wild entwickelt sich zunehmend vom Saisonprodukt zur Premium-Kategorie im LEH. Mit durchdachtem Cross-Selling, hochwertigen Begleitprodukten und einer impulsstarken POS-Inszenierung lässt sich das Potenzial der Warengruppe erfolgreich ausschöpfen.

Verbraucher legen heute zunehmend Wert auf Lebensmittel mit nachvollziehbarer Herkunft, hoher Qualität und authentischem Charakter. Regionalität, Nachhaltigkeit und bewusster Genuss gehören zu den wichtigsten Kaufmotiven. Davon profitiert Wildfleisch in besonderem Masse: Es vereint Natürlichkeit, handwerkliche Qualität und eine enge Verbindung zur Region und eröffnet dem Handel attraktive Möglichkeiten, sich im Premium-Segment zu profilieren. Lange galt Wild vor allem als Festtagsgericht für Herbst und Winter. Heute hat sich die Warengruppe zu einer ganzjährigen Premium-Kategorie entwickelt. Neben klassischen Edelstücken erweitern Wildburger, Wildbratwürste oder küchenfertige Spezialitäten das Sortiment und sprechen neue Zielgruppen an. Auch die Marktdaten bestätigen diesen Wandel. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) wurden im Jagdjahr 2023/24 rund 27 000 Tonnen Wildbret aus heimischer Jagd vermarktet. Gleichzeitig isst inzwischen jeder zweite deutsche Konsument mindestens einmal pro Jahr Wild, jeder Vierte bereitet Wildfleisch selbst zu.
 
Nachvollziehbare Mehrwerte 
Dass Wild den Zeitgeist trifft, überrascht kaum. «Heimisches Wildbret ist ein Lebensmittel der kurzen Transportwege, ursprünglich und natürlich. Zudem ist Wildbret fettarm und reich an Omega-3-Fettsäuren. Sieben von zehn Deutschen halten Wildbret für ein gesundes Lebensmittel», sagt Torsten Reinwald, Pressesprecher und stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbandes. Auch Michael Keller, Metzgermeister, Wildsommelier, Fachautor und Jäger, sieht darin grosses Potenzial: «Der Trend geht klar hin zu nachhaltigem Fleisch. Was gibt es da Besseres als heimisches Wild? Die Jagd beschränkt sich auf den natürlichen Zuwachs, das Wild frisst ausschliesslich das, was Wald und Flur bieten. Man könnte fast von CO₂-neutralem Fleisch sprechen.» Wild steht damit für natürliche Lebensweise, regionale Herkunft und eine bewusste, proteinreiche Ernährung. Diese Eigenschaften machen die Kategorie für eine wachsende Zahl von Konsumenten attraktiv. 
 
Ganzjähriges Potenzial 
Doch noch immer verbinden viele Verbraucher Wild vor allem mit Weihnachten oder festlichen Sonntagsessen. Aus Sicht der Branche wird dieses Potenzial jedoch längst nicht ausgeschöpft. Die Kategorie bietet über das gesamte Jahr hinweg Absatzchancen. «Die Jagdsaison dauert praktisch das ganze Jahr. Deshalb sollte Wild auch ganzjährig seinen festen Platz im Sortiment haben – im Sommer mit Steaks, Spiessen oder Burger-Patties, im Herbst mit klassischen Schmorgerichten und im Winter mit hochwertigen Festtagsstücken», sagt Michael Keller. Auch die Probsteier Wurstfabrik Pfeifer beobachtet eine wachsende Nachfrage. «Wir produzieren seit rund zehn Jahren Wildschwein-Leberwurst und verzeichnen seitdem kontinuierliche Absatzsteigerungen», berichtet Key-Account-Manager Rainer Kahl. Für den Handel bedeutet dies einen Perspektivenwechsel. Statt Wild ausschliesslich als saisonalen Aktionsartikel zu betrachten, kann die Warengruppe als fester Bestandteil des Premium-Sortiments positioniert werden. 
 
Moderner Genuss
Viele Konsumenten verzichten auf Wildfleisch, weil sie dessen Zubereitung als zu aufwendig empfinden. Dieses Bild stammt aus einer Zeit, in der Wild häufig lange in Rotwein, Essig oder Buttermilch mariniert beziehungsweise eingelegt wurde. «Heute wird Wild deutlich frischer verarbeitet. Moderne Garverfahren wie Sous-vide oder Niedertemperaturgaren machen die Zubereitung einfach und gelingsicher. Das alte Vorurteil vom komplizierten Wildgericht gehört daher längst der Vergangenheit an», bemerkt dazu Michael Keller. 
 
Parallel dazu verändern sich die Konsumgewohnheiten – und zwar zunehmend hin zu praktischen, schnell konsumierbaren Produkten. Dies bestätigt auch Rainer Kahl von der Probsteier Wurstfabrik Pfeifer: «Auch bei Wildfleisch steigt die Nachfrage nach Convenience- und snackfähigen Produkten wie Wildburgern oder Wildsalami. Dadurch entwickelt sich Wild vom klassischen Festtagsgericht zu einem modernen Premium- und Snackprodukt.» 
 
Impulsreiches Cross-Selling
Sein volles Potenzial entfaltet Wild jedoch selten allein. Erst in Kombination mit hochwertigen Begleitprodukten entstehen Genusswelten, die den Einkauf erleichtern und den Warenkorb erweitern. Eine zentrale Rolle spielen dabei Feinkostprodukte wie Chutneys oder Fonds. Sie ergänzen Wild jedoch nicht nur geschmacklich. «Viele Geniesser zelebrieren den Wildgenuss nur saisonal im Herbst. Produkte wie Chutneys, Würzmischungen oder Crema di Aceto geben Sicherheit bei der Zubereitung», sagt Christian Berger vom Team Inspiration bei Wiberg. 
 
Auf dieses Bedürfnis zahlt auch der Wild-Fond von Jürgen Langbein ein. «Er bildet die perfekte Basis für aromatische Wildsaucen und erleichtert Verbrauchern die Zubereitung hochwertiger Wildgerichte», sagt Dr. Ann-Kristin Welk, Produktmanagerin bei Rila. Für den Handel empfiehlt das Unternehmen den Wild-Fond in Displays in direkter Nähe zu den Frischetheken zu platzieren. 
 
Auch Wolfram Berge setzt auf die Verbindung von Wild und Feinkost. Kürzlich hat das Unternehmen sein Portfolio um ein Pflaumen-Chutney ergänzt. Die Kombination aus feiner Süsse und angenehmer Würze rundet den kräftigen Geschmack von Reh, Hirsch oder Wildschwein ab. Für eine erfolgreiche Vermarktung am Point of Sale brauche es jedoch gezielte Kaufimpulse wie Zweitplatzierungen an der Fleischtheke oder Verkostungsaktionen mit Rezeptideen. «Zudem schafft eine aufmerksamkeitsstarke Platzierung im Umfeld von Beilagen wie Knödeln, Spätzle oder Rotkohl weitere Kaufanreize«, sagt Marc Frielingsdorf, Geschäftsleitung Marketing & Vertrieb der Wolfram Berge GmbH & Co. KG.  
 
Mit einer aufmerksamkeitsstarken Präsentation und einfachen Rezeptideen am Point of Sale lässt sich der Mehrwert dieser Kombination von Wild und Feinkost sichtbar machen und darüber hinaus der durchschnittliche Warenkorb nachhaltig steigern.
 
Erfolgsfaktor Präsentation 
Doch ohne eine überzeugende Präsentation bleibt vieles unentdeckt. Gerade weil viele Konsumenten Wild nur gelegentlich kaufen, kommt der Inszenierung am Point of Sale eine zentrale Bedeutung zu. Gefragt sind Orientierung, Inspiration und konkrete Ideen für die Zubereitung. «Saisonale Sondertheken oder eine klare Blockbildung innerhalb der Fleischtheke schaffen echte Kaufimpulse», sagt Michael Keller. «Zur Grillsaison dürfen Wildburger oder Wildspiesse nicht fehlen, im Herbst und Winter stehen Schmorgerichte, Braten oder Gulasch im Mittelpunkt.» Auch Rainer Kahl sieht darin einen Erfolgsfaktor: «Verbraucher lassen sich dann für Wild begeistern, wenn Hemmschwellen abgebaut werden – etwa durch Verkostungen, einfache Rezeptideen und gut erklärte Zubereitungstipps. Moderne Verpackungen, kleine Probiergrössen sowie Informationen zu Herkunft, Regionalität und Nachhaltigkeit machen Wild für neue Zielgruppen attraktiver.» Ergänzend können QR-Codes mit Rezepten oder kurzen Zubereitungsvideos, Empfehlungen für passende Beilagen oder Hinweise zu Garzeiten den Einkauf erleichtern und zusätzliche Kaufimpulse schaffen. Ebenso wichtig ist eine glaubwürdige Kommunikation. Wild steht für regionale Herkunft, natürliche Lebensweise der Tiere und verantwortungsvollen Genuss. Diese Eigenschaften unterscheiden die Kategorie klar von Fleisch aus konventioneller Tierhaltung und schaffen eine emotionale Verbindung zur Kundschaft. «Storytelling ist das Gebot der Stunde. Mit heimischem Wild habe ich eine grossartige Geschichte zu erzählen: Natur, regionale Jagdreviere, Nachhaltigkeit, ernährungsphysiologische Vorteile und echter Genuss. Genau diese Geschichte sollte der Handel seinen Kunden erzählen», sagt Michael Keller.
 
Premium mit Zukunft
Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind günstig: Regionalität, hochwertige Lebensmittel und eine proteinreiche Ernährung prägen die aktuellen Ernährungstrends. Wild verbindet diese Aspekte und lässt sich vielseitig zubereiten – kurzgebraten, geschmort oder gegrillt.  «Mehr und mehr experimentieren die Menschen mit Wildbret in der Küche. Auch Spitzenköche verarbeiten verstärkt Wild. Neben Omas Rehbraten gibt es heute viele moderne Rezeptideen», beobachtet Torsten Reinwald. 
 
Michael Keller ist überzeugt, dass nun der Handel gefragt ist: «Ich wünsche mir ein regelmässiges Ganzjahresangebot. Die Akzeptanz der Verbraucher ist vorhanden. Jetzt gilt es, Wild aus der Nische zu holen und echte Wildkompetenz aufzubauen.» Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Wild ein Naturprodukt bleibt. Saisonale Schwankungen und begrenzte Verfügbarkeiten gehören dazu. Umso wichtiger seien verlässliche Partner, die konstante Qualitäten und eine möglichst hohe Lieferfähigkeit sicherstellen.
 
Resümee
Wild bietet dem Handel die Chance, eine glaubwürdige und margenstarke Premium-Kategorie auszubauen. Entscheidend sind ein ganzjähriges, alltagstaugliches Sortiment, passende Feinkostbegleiter sowie inspirierende Themenwelten und eine aufmerksamkeitsstarke Präsentation am Point of Sale. So wird aus dem saisonalen Anlasskauf ein regelmässiger Bestandteil hochwertiger Genusswelten. 

News

Foto: Globus

Der SB-Warenhaus­betreiber Globus erwei­tert sein gastronomisches Angebot: In allen Globus Markthallen gibt es ab sofort ausgewählte Gerichte aus den eigenen Restaurants auch zum Mitnehmen.

Foto: Globus

Mit der Zusammenarbeit mit Naturland geht der Markant Partner den nächsten strategischen Schritt beim Ausbau seines Bio-Sortiments und ergänzt die Partnerschaften mit Bioland und Demeter.

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Die Generation Z kocht häufiger selbst, als gängige Vorurteile vermuten lassen: Mehr als jede zweite 16- bis 29-jährige Person isst täglich zu Hause zubereitete Mahlzeiten.

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Jeder vierte Befragte im Alter von 16 bis 26 Jahren gibt an, regelmässig Mocktails zu trinken. Im Sommer 2025 lag der Anteil erst bei elf Prozent.

Statements 

Der Trend geht hin zu qualitativ hochwertigen, regionalen Lebensmitteln. Heimisches Wildbret ist ein Lebensmittel der kurzen Transportwege, ursprünglich und natürlich. Zudem ist Wildbret fettarm und reich an Omega-3-Fettsäuren.
Torsten Reinwald,
Pressesprecher und stellvertretender Geschäftsführer, Deutscher Jagdverband

 

Wild ist längst kein aufwendiger Sonntagsbraten mehr: Moderne Produktformate und einfache Garmethoden machen es schnell, saftig und alltagstauglich – vom vorbereiteten Convenience-Produkt bis zum Grillklassiker.
Michael Keller,
Metzgermeister, Wildsommelier, Fachautor und Jäger 

Foto: @hausdesbildes_Mering_2021

 

Wildspezialitäten verbinden exklusiven Genuss mit natürlicher Herkunft und verantwortungsvoller Tierhaltung – und eröffnen dem Handel besonders mit modernen Convenience-, Snack- und BBQ-Produkten attraktive Chancen im Premiumsegment.
Rainer Kahl,
Key Account Manager, Probsteier Wurstfabrik Pfeifer

 
 
 

Info

Woran man hochwertiges Wildfleisch erkennt und welche Stücke sich für den Alltag eignen – Tipps von Wildsommelier Michael Keller.
 
Hochwertiges Wildfleisch überzeugt durch seine frische, kräftige Farbe und eine natürliche, leicht trockene Oberfläche. Reh- und Hirschfleisch sollte rötlich leuchten, Wildschwein eine tiefdunkelrote Farbe aufweisen. Eine leicht trockene Oberfläche ist dagegen ein Qualitätsmerkmal: Sie spricht für eine fachgerechte Reifung und frisches Wildfleisch in bester Güte.
 
Neben Klassikern wie Koteletts, Steaks und Schnitzeln aus Rücken und Keule bietet Wild zahlreiche vielseitige Teilstücke für die Alltagsküche. Schulter, Läufe und Rippen eignen sich hervorragend für Schmorgerichte. Zur Grillsaison sind Wildschwein-Nacken, Bauchscheiben und Rippchen gefragt; aus Reh- und Hirschkeulen lassen sich Steaks und Spiesse zubereiten. Ein Geheimtipp sind die einzelnen Muskeln der Keule: Oberschale, Hüfte, Nuss, Kugel oder Unterschale liefern dank ihrer feinen Faserung weit mehr Steakpotenzial, als viele vermuten. Sie können im Ganzen langsam gegart, als Steaks portioniert oder zu Grillspiessen verarbeitet werden. 
 
Wild sollte ganzjährig in der Theke platziert werden: In Herbst und Winter mit Schwerpunkt auf Braten und Schmorgerichte, im Frühjahr und Sommer mit küchenfertigen, marinierten oder grillbereiten Convenience-Produkten. So wird Wildfleisch für Kunden zu einer unkomplizierten, genussvollen Wahl für jeden Tag. 
 
 
 

Tipps für den POS

Für eine erfolgreiche Vermarktung sollte die Warengruppe als Bestandteil einer hochwertigen Genusswelt betrachtet werden. Empfehlungen für Einkäufer und Category Manager:
• Wild ganzjährig ins Sortiment integrieren – nicht nur im Herbst und Winter
• Saisonale Schwerpunkte setzen: Grillprodukte im Sommer, Schmorgerichte im Herbst/Winter
• Convenience ausbauen – etwa mit Wildburgern, Bratwürsten, Spiessen oder küchenfertigen Braten
• Feinkost als Cross-Selling nutzen: Gewürze, Chutneys, Senfsaucen, Premium-Essige, Öle und Pilze ergänzen das Sortiment sinnvoll
• Regionale Herkunft sichtbar machen, mit Storytelling emotionale Kaufanreize schaffen
• Rezeptideen, QR-Codes, Verkostungen und kleine Probiergrössen einsetzen, um Hemmschwellen abzubauen
• Wild als Premium-Produkt präsentieren – mit hochwertiger Platzierung und passender Warenpräsentation
 
Quelle: DJV, Michael Keller, Rila, Wiberg, Wolfram Berge
 
 
 

Cross-Selling mit Wild

Wild eignet sich hervorragend für Themenwelten und Zusatzverkäufe. Besonders erfolgreich sind Kombinationen mit:
• Chutneys und Senfsaucen
• Gewürzmischungen für Wildgerichte
• Premium-Essigen und Nussölen
• Preiselbeeren und Wildsaucen
• Steinpilzen und Herbstgemüse
• Knödeln, Spätzli und Kartoffelspezialitäten
• regionalen Rotweinen
• BBQ-Saucen und Burger Buns für Wildburger
• Käse- und Feinkostspezialitäten
 
 
 

 

Produkte 

Wolfram Berge 
Das neue «Premium Pflaumen Chutney» von Wolfram Berge entfaltet durch die natürliche Fruchtigkeit reifer Pflaumen und ausgewählter Gewürze ein vollmundiges Aroma von feiner Süsse und angenehmer Würze. Wolfram Berge vereint bei dem «Premium Pflaumen Chutney» das traditionelle, deutsche Obst mit der ursprünglich aus Indien stammenden Chutney-Zubereitung Die sorgfältige Herstellung und die ausgewogene Rezeptur bewahren den charakteristischen  Geschmack der Pflaume und schaffen eine harmonische Verbindung von Frucht und Würze.
 
Rila
«Feine Küche Jürgen Langbein Wild-Fond» ist die Basis für feine Suppen, Saucen und Schmorgerichte. Der mit Rotwein verfeinerte Fond ist schnell und einfach zu verwenden. Ideal für die kleinen Genussmomente zu Hause. Er erfüllt den Trend nach «Natürlichkeit und Clean Label» und kommt ohne Farb-, Konservierungs- und geschmacksverstärkenden Zusatzstoffen aus. Der Fond ist im 200-Milliliter- und 500-Milliliter-Glas erhältlich.
 

Wiberg
Die Produktrange birgt kulinarische Schätze aus den entlegensten Orten der Welt – aber auch heimische Aromen. Gemeinsam fügen sie sich zu einem Gesamtkunstwerk der Genüsse zusammen. Die Gewürzzubereitung Forest Flair lädt zum kulinarischen Waldspaziergang. Sie vereint den würzigen Duft alpenländischer Wälder und weckt mit Latschenkiefer, Fichtennadeln, Wacholderbeeren, Zirben-Öl und Steinpilzen Genuss.