Vor allen Dingen Familien laden ihre E-Autos gerne während ihres Einkaufs auf dem Supermarktparkplatz auf. Ein neues Fördergesetz könnte diesen Trend beschleunigen und die bisher niedrige Auslastung der E-Ladestationen erhöhen.
Im Januar 2026 ist die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte für elektrische Fahrzeuge laut Bundesnetzagentur auf 194 000 angestiegen – ein Zuwachs um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr (165 300). Gleichzeitig dümpelt die durchschnittliche Auslastung seit 2024 bei nur 15 Prozent, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) feststellt. Grund ist, dass die Ladeinfrastruktur schneller wächst als der Bestand an E-Autos. Nach Einschätzungen des EHI Retail Institute sind 15 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte auf Handelsparkflächen installiert, Stand Januar 2026 rund 29 000. Der Handel ist verpflichtet, auf jedem Parkplatz mit mehr als 20 Stellplätzen mindestens einen Ladepunkt zu installieren. Vor dem Hintergrund der bereits vorhandenen Überversorgung appellierte der Handelsverband Deutschland (HDE) im Dezember 2025 an die Politik, die Regeln zu überarbeiten. «Es droht der Aufbau von Elektroschrott», so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Allerdings hält sich das wirtschaftliche Risiko für die meisten Händler in Grenzen. Denn die Mehrheit betreibt die Ladesäulen nicht selbst, wie auch die EHI-Umfragen zeigen, sondern verpachtet die Parkfläche an Energieversorger.
Förderung für Familien
Neue Dynamik bringt die Bundesregierung mit dem Beschluss in den Markt, Elektroautos rückwirkend ab Januar 2026 je nach Typ mit Steuervorteilen und Kaufprämien zu fördern. Davon sollen vor allem kleinere und mittlere Einkommen bis zu 80 000 Euro jährlich profitieren. Für Familien mit Kindern erhöhen sich sowohl der Zuschuss als auch die Einkommensgrenze. Bereits heute besitzen laut Statistischem Bundesamt 11,5 Prozent von ihnen ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybrid, damit weit mehr als Paare ohne Kinder (7,5 %) oder Singles (2,2 %). Greifen die Programme, dürfte sich das unmittelbar auf die Frequenz an den Ladesäulen und auf den Verkaufsflächen des Handels auswirken. Eine Umfrage von Civey für den Energieversorger E.ON unter mehr als 1000 Fahrern vollelektrischer Fahrzeuge im Jahr 2025 belegt die grosse Bedeutung des sogenannten «Destination Charging» an Supermärkten und anderen Geschäften. Weil hier primär Schnelllader mit 50 Kilowatt und mehr stehen, werden sie auch bei einer Aufenthaltsdauer von meist unter einer Stunde von den Fahrern geschätzt. «61 Prozent der E-Mobilisten erwarten, dass sie die Zeit während des Wocheneinkaufs effizient zum Laden nutzen können», informiert Christoph Ebert, Geschäftsführer bei E.ON Drive Deutschland.
Attraktive Zielgruppe
Ein weiteres für den Handel interessantes Ergebnis der E.ON-Umfrage: Vor allem Familien möchten das Laden möglichst nahtlos in den Alltag integrieren. Entsprechend ist der Anteil der Familien, die sich Ladepunkte bei ihren Einkaufsstätten (aber auch an Sport- und Freizeiteinrichtungen) wünschen, erheblich höher als bei den anderen Befragten. Damit geht das Kalkül der Händler auf, mit ihren Ladepunkten attraktive Zielgruppen anzuziehen. Laut einer EHI-Erhebung geben 77 Prozent der befragten Handelsunternehmen die Kundenbindung als Hauptgrund für den Aufbau von Ladeinfrastruktur an. Hinzu kommen Nachhaltigkeitsziele.
Hochlauf der E-Mobilität
Auch für das französiscghe Multi-Energie-Unternehmen TotalEnergies zählen die Handelsparkplätze aufgrund der «bequemen Verbindung von Wocheneinkauf und Ladevorgang» zur ersten Wahl bei den Standorten für HPC-Schnellladehubs. Die Auslastung der Ladepunkte variiert dabei laut TotalEnergies je nach Standort deutlich, wobei Einzelhandelsflächen an hochfrequentierten Verkehrsachsen besonders nachgefragt seien. Für die Zukunft zeigt sich auch dieser Energieversorger optimistisch: «Mit dem fortschreitenden Hochlauf der Elektromobilität prüfen wir kontinuierlich weitere Standorte und Investitionsoptionen, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland auch im Bereich des Einzelhandels weiter voranzutreiben.»