Seit 2024 hat der Einsatz von Künstlicher Intelligenz deutlich Fahrt aufgenommen, auch im Handel. Eine Umfrage zeigt, wie gross das Spektrum der Anwendungen bereits ist, welchen messbaren Nutzen sie bringen – und wo es noch Defizite gibt.
Mit der 20. Ausgabe ihres gemeinsamen «B2BEST Barometer» zeigen ECC Köln und Creditreform, dass B2B-Unternehmen sowohl die Nutzung von KI als auch die Investitionen in entsprechende Anwendungen zügig ausbauen. Dazu wurden jeweils 102 Grosshändler und Hersteller der verschiedensten Branchen, darunter Lebensmittel, FMCG und Nonfood befragt. Der Grossteil der Unternehmen kann auch anhand von Kennzahlen ermitteln, welchen Erfolg der Einsatz von KI jeweils bringt. «Künstliche Intelligenz ist längst fester Bestandteil des Arbeitsalltags – auch im B2B-Sektor», konstatieren die Autoren der Studie.
Strategische Schlüsseltechnologie
63 Prozent der Unternehmen bewerten KI als «hoch relevant». Die Mehrheit sieht darin eine strategische Schlüsseltechnologie, um Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und Wettbewerbsvorteile auszubauen. KI-Lösungen sind in vielen Bereichen wie IT allgemein, Marketing und Vertrieb, Kundenservice, Loss Prevention, Logistik, Personal- und Finanzwesen bereits implementiert. Die beliebteste Lösung ist der Chatbot. Es folgen die digitale Belegerkennung (z. B. Auslesung von Schlüsseldaten, Zuordnung zu Buchungskonten), KI-gesteuertes Energiemanagement (intelligente Strom-, Licht- und Klimasteuerung je nach Nutzungszeiten und Belegungsplänen), automatisierte Dokumentenerstellung, automatische Verbuchung von Zahlungseingängen (z. B. durch Zuweisung von Rechnungen an Zahlungseingänge) und die Analyse von Marktentwicklungen. Nur wenige Unternehmen entwickeln dafür intern eigene KI-Lösungen, überwiegend greifen sie auf Standardprodukte wie zum Beispiel «Microsoft Copilot» und «SAP Business AI» zurück. 38 Prozent der Unternehmen ergänzen diese durch eigene, intern entwickelte KI-Lösungen. Bei der Umsetzung helfen überwiegend auf KI-spezialisierte Beratungsunternehmen und/oder die jeweiligen Lösungsanbieter. Grösstenteils sind die Unternehmen mit deren Arbeit auch zufrieden. Probleme betreffen besonders die Integration von KI in bereits bestehende Systeme, aber auch von Datenschutzproblemen und Skepsis der eigenen Mitarbeiter ist die Rede.
Interne Kompetenzen gefragt
«Trotz der hohen Bedeutung und dem steigenden Einsatz von KI bestehen weiterhin Implementierungslücken. Die Integration in bestehende Systeme, der Datenschutz sowie fehlende interne Kompetenzen zählen nach wie vor zu den grössten Herausforderungen für Grosshändler und Hersteller», sagt Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH und Gründer des ECC. Immerhin: Ein Drittel der befragten Unternehmen verfügt bereits über verbindlich dokumentierte ethische Richtlinien für den Einsatz von KI, und der Grossteil arbeitet derzeit an deren Ausarbeitung oder Planung. Ebenfalls rund ein Drittel hat eine umfassende, detaillierte Roadmap für den unternehmensweiten Einsatz – fast die Hälfte plant eine solche zumindest für einzelne Projekte.
Systematische Erfolgsbewertung
Das massgebliche Ziel der meisten Unternehmen beim Einsatz von KI sind Zeit- und Kosteneinsparungen, Umsatz- und Effizienzsteigerung. Dabei sieht die Mehrheit auch bereits handfeste Belege, dass diese Erwartungen erfüllt werden. Die Erfolgsbewertung der KI-gestützten Anwendungen erfolgt anhand zentraler «Key Performance Indicators» (KPI). Dafür sind insbesondere die KPI Kostenersparnis, Umsatzsteigerung und Kundenzufriedenheiten besonders relevant.
32 Prozent der Befragten nehmen die Bewertung regelmässig und systematisch für alle oder die meisten Anwendungen vor. 37 Prozent tun das gelegentlich und für ausgewählte Anwendungen. Ausser Frage steht bei den Händlern und Herstellern die Zukunftsrelevanz von KI. In den nächsten fünf Jahren wird KI nach Meinung der meisten Befragten ein wichtiger Bestandteil sein. Rund 40 Prozent glauben sogar an «revolutionäre Veränderungen».