E-Mobility im Praxistest

Donnerstag, 05. November 2015
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Noch tun sich Elektroautos schwer im Markt. Aber verschiedene Tests unter Alltagsbedingungen zeigen, dass sogar elektrische Nutzfahrzeuge fit für die harte Arbeit im Verteilerverkehr sind. Es tut sich was im Markt.

Sie liefern schon heute Zukunft: leise, flink, abgasfrei – und mit reichlich Stauraum. Während Einzelhändler und andere Gewerbetreibende bisher noch skeptisch sind, setzen Immer mehr Kommunen auf batteriebetriebene Lieferwagen und sogar leichte Lkw. Ein Beispiel ist der elektrische Kleinstlieferwagen "e-load up!" von Volkswagen, der in einer großen Modellflotte von 150 Fahrzeugen in 80 Kommunen unterwegs ist. Das Projekt wird über die "Initiative Schaufenster Elektromobilität" vom Bundesministerium für Verkehr gefördert. Inzwischen hat diese Flotte 750.000 Kilometer abgespult. Fazit: "klimafreundlich und alltagstauglich". Wegen der positiven Entwicklung des Projekts hat das Ministerium die Förderung aufgestockt.

Niedrige Betriebskosten

Der "e-load up!" hat ein Laderaumvolumen von 990 Litern, eine Nutzlast von 285 Kilogramm und eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern. Die im Unterboden integrierte Lithium-Ionen-Batterie hat eine Speicherkapazität von 18,7 kWh. In 30 Minuten hat das Fahrzeug bis zu 80 Prozent seiner Batterie-Ladung wieder erlangt. Ein 60 kW (82 PS) starker Elektromotor beschleunigt den Transporter in flotten 12,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h - bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Eine Nummer größer ist der kompakte Transporter "Partner Electric" von Peugeot. Peugeot offeriert diesen rein elektrischen Stadtlieferwagen mit kurzem und langem Radstand. Der E-Motor leistet 49 kW (67 PS). Die Höchstgeschwindigkeit ist zugunsten größrer Reichweiten auf 110 km/h beschränkt. Die Lithium-Ionen-Batterie speichert 22,5 kWh Strom, was eine Reichweite von bis zu 170 Kilometern ermöglicht. Mit diesem von Fahrweise, Witterung und Beladung abhängigen Wert sei der Partner Electric "für den alltäglichen gewerblichen Einsatz bestens gerüstet", so der Hersteller. Peugeot gibt auf den elektrischen Antriebsstrang und die Batterie eine Garantie für acht Jahre oder 100.000 km. Die laufenden Kosten liegen - abhängig vom gewählten Stromtarif - zwischen 90 Cent und zwei Euro pro 100 Kilometer. Andere Betriebskosten sind niedriger als bei Verbrennungsmotoren. So ist bei Elektroantrieben kein Ölwechsel nötig und auch der Verschleiß von Bremsen und anderen Fahrzeugteilen fällt erheblich geringer aus. Die Befreiung von der Kfz-Steuer ist das i-Tüpfelchen, wenn die Wirtschaftlichkeit über die Lebensdauer betrachtet wird.

E-Lkw im Test

Ein "richtiger" Lkw ist der Mitsubishi Fuso Canter E-Cell. Auch dieser hat einen umfangreichen Praxistest hinter sich, und zwar in Portugal. Die ersten Erkenntnisse der Praxistests mit acht Fahrzeugen zeigen, dass sich die Fahrzeuge für den täglichen Einsatz im Kurzstrecken-Lieferverkehr und innerstädtischen Transport bewährt haben. Die Lkw erzielten eine Reichweite von über 100 km und übertrafen damit die durchschnittliche Distanz, die viele für den Verteilerverkehr auf kurzen Strecken eingesetzte Lkw üblicherweise pro Tag zurücklegen. Der Fuso Canter E-Cell verfügt über eine Nutzlast von zwei Tonnen - eine Kapazität, die Kunden für einen effizienten Flottenbetrieb benötigen. Erste Datenanalysen lassen Kosteneinsparungen von 1.000 Euro pro 10.000 km gegenüber konventionellen Diesel-Lkw erwarten.

Die Fähigkeiten dieser elektrisch betriebenen leichten Lkw wurden unter den verschiedensten Bedingungen getestet. Die Stadt Lissabon nutzte den Canter E-Cell für die Entsorgung von Grüngut und Müll, die Stadt Porto als Sammelfahrzeug für Recycling-Müll, die Stadt Sintra für die Waldpflege und die Städte Abrantes und Cascais ebenfalls für die Landschaftspflege. Das Unternehmen Transporta setzte das Fahrzeug im Vertriebsservice mit kurzem Radius für die direkte Verteilung an Haushalte ein, der Energielieferant REN für Transportzwecke innerhalb der industriellen Gaslager in den Städten Sines und Pombal. Schließlich half der Canter E-Cell auch der portugiesischen Post CTT mit Transportfahrten zwischen den Verteilerzentren Lissabons und Coimbras.

Zukunft der Elektromobilität

Ende August hat Nissan unter dem Motto „Elektromobilität - frisch aufgeladen" seine Pläne und Projektionen zur Zukunft der Elektromobilität in Deutschland dargelegt. Am weltweiten Markt für leichte Nutzfahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb eroberte Nissan einen Anteil von 88 Prozent. Im Dezember 2014 übernahm das Modell "e-NV200" erstmals die Nummer-Eins-Position bei den elektrischen Transportern. Nach Überzeugung von Thomas Hausch, Geschäftsführer Nissan Deutschland, arbeitet insbesondere die Zeit für die Elektromobilität: Neue und leistungsstärkere Batterien würden schon in den kommenden Jahren serienreif und aufgrund höherer Stückzahlen auch günstiger sein. Dadurch sänken auch die Preise für die Autos insgesamt. Das Ladenetz werde zunehmend dichter, das Handling und die Abrechnung immer leichter.

Abgas- und Lärmemissionen senken

Weitere Entwicklungen spielen der Elektromobilität in die Hände: Mega-Citys wie Paris verhängen schon heute Restriktionen für Fahrten mit dem Auto in Innenstädte, um so die lokalen Abgas- und Lärmemissionen zu senken. Durch den steigenden Anteil an erneuerbaren Energien am deutschen Energie-Mix verbessere sich laut Thomas Hausch auch die sogenannte „Well2Wheel"-Bilanz der Elektrofahrzeuge. Sie betrachtet den gesamten Energieeinsatz, der von der Gewinnung und Bereitstellung der Antriebsenergie bis zur Umwandlung in kinetische Energie eingesetzt werden muss. Aktuell liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien am deutschen Strom-Mix bei 28 Prozent. Bis 2020, wenn auch die von der EU-Kommission vorgeschriebene CO2-Flottenemission von 95 g/km in Kraft tritt, soll er bis auf 35 Prozent angestiegen sein.

Der Weg in eine "dekarbonisierte Gesellschaft" wird laut Nissan noch aus einem anderen Grund dringlicher: Die Anzahl der Mega-Städte und der Trend zur Urbanisierung schreiten weltweit rasant voran. Bis 2025 werden 50 Prozent aller Weltbewohner in Städten leben, die zusammen aber nur zwei Prozent der Erdoberfläche einnehmen. Dabei werden sie 75 Prozent der weltweit benötigten Energien verschlingen und 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Basierend auf den derzeitigen Wachstumszahlen ist damit zu rechnen, dass der weltweite Autobestand von jetzt etwa einer Milliarde Fahrzeuge bis 2050 auf rund 2,5 Milliarden steigen wird.

Ausbau des Netzes

Als Business Angel unterstützt Nissan Start-ups in der Bundeshauptstadt Berlin, über das Programm e4business werden Unternehmen gefördert, die ihren Fuhrpark elektrifizieren und auf ihr ganzheitlich kohlenstofffreies Geschäftsmodell anpassen wollen. Wie zum Beispiel der Biobäcker Schüren aus dem nordrhein-westfälischen Hilden mit einer Flotte aus Nissan e-NV200.

Längere Fahrten mit dem Elektroauto gelten bislang als hinderlich - doch auch das wird sich künftig ändern. Denn bis 2018 sollen unter anderem durch Initiative von Nissan in ganz Deutschland über 800 neue Multistandard-Ladesäulen am Netz sein. Sie ermöglichen technologie-offenes Aufladen für Nutzer aller Hersteller und Marken mittels Gleichstromladung (DC) in kurzer Zeit. In Zusammenarbeit mit diversen Elektromobilitätsanbietern entstehen regelrechte Stromkorridore, die auch grenzübergreifende E-Mobilität in Richtung Norden (Dänemark) oder Südosten (Österreich) eröffnen. Auch die Strecke München-Berlin steht auf der Liste der Initiatoren ganz oben.

Ein Plan von Nissan geht dahin, eine Vielzahl von Elektro-Fahrzeugen als Schwarmspeicher in das deutsche Stromnetz zu integrieren - unter anderem zur Stabilisierung des schwankenden Stromnetzes. „Diese Technologie ermöglicht zum ersten Mal in der Geschichte des Automobils einen fundamental neuen Einsatzzweck des Fahrzeugs und damit vollkommen neuartige Geschäftsmodelle, welche die Kosten für Elektromobilität signifikant senken können", sagt Joachim Köpf, Nissan Experte für E-Mobilität. Nissan bewertet den Markt in Deutschland als reif für diese Technologie, nicht zuletzt aufgrund der Energiewende, der sinkenden Rückspeisevergütungen und dem bereits hohen und weiterhin steigenden Anteil an Strom aus fluktuierenden Energiequellen.

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