Ausgabe:

Würzige Dynamik

Montag, 03. September 2018
Stockfood (Jim Norton)

Jahrzehntelang wurde der deutsche Gewürzmarkt von der Fuchs-Gruppe dominiert, die zuletzt 2006 das Unternehmen Kattus mit den Marken «Bamboo Garden», «Escoffier»,  «Fuego», «Jadira» und «Kattus» aufgekauft hat und heute 29 rechtlich eigenständige Firmen im In- und Ausland unter sich vereint. Schätzungen gehen von 75 bis 80 Prozent aus, die die Gruppe am deutschen Markt hält. Doch seit einiger Zeit kommt nun ordentlich Dynamik ins Gewürzregal. Start-ups wie etwa Just Spices, Tante Tomate oder Ankerkraut drängen in den Markt und wollen mit innovativen und hochwertigen Konzepten sprichwörtlich für neue «Würze» im Regal sorgen. Bedingt durch das veränderte Essverhalten der Konsumenten und vor allem angetrieben durch diverse TV-Kochsendungen gewinnt das Gewürzregal an neuer Bedeutung. Das Potenzial ist gross und vom Kuchen wollen nun auch die Newcomer ein Stück abhaben. Dabei verlassen sie ausgetretene Pfade. Sie setzen nicht auf Klassiker und Traditionelles, vielmehr verkaufen die jungen Wilden ein Stück Lifestyle.

Lifestyle statt Traditionelles 

Die Zeiten als nur Mutti kochte und sich mit Pfeffer, Salz und Paprika zufrieden gab, sind vorbei. Wer heute am Herd steht und selbst schnippelt, will nicht nur geniessen, sondern einen persönlichen Lebenssti l ausdrücken. Das gelingt nicht mehr mit den Produkten, die einst dazu gedacht waren, im schmalen Küchenschrank vor der Dunstabzugshaube zu verschwinden. Die Neuzugänge sind salonfähig geworden und stylisch zugleich: dekorative Accessoires mit exklusivem Inhalt, die in der Küche und auf dem Teller etwas hermachen: exotische Mono-Gewürze wie etwa die Tonkabohnen im Zuckerbett von Herbaria oder innovative Mixe wie das «Asia-Rührei-Gewürz» von Just Spices sowie das Barbecue-Rub «Bang Boom Bang» von Ankerkraut. «Unser Schlüssel zum Erfolg ist, dass wir die internationale Foodszene beobachten und die Trends schnell umsetzen. Heraus kommen Produktkonzepte, mit denen wir unsere Kunden inspirieren, ihren Alltag vereinfachen und Abwechslung bieten», erklärt Just-Spices-CEO Bela Seebach. Seit 2014 erobert das Unternehmen mit seinen bunten Dosen die Regale des Handels. Inzwischen ist die Marke nahezu im gesamten Vollsortiment gelistet – und hat ihren Preis. So liegen 100 Gramm Himalaya-Salz bei drei Euro, 100 Gramm Lorbeer bei 133 Euro.

Conveniente Inspirationen 

In Dissen, dem Hauptsitz der Fuchs-Gruppe, verfolgt man die neuen Mitbewerber genau. Auch dort ist man sich des Wandels bewusst, der sich bei den Verbrauchern vollzogen hat. «Sie suchen neue und abwechslungsreiche Geschmacksvariationen. Gewürze rücken dabei noch stärker in den Mittelpunkt», heisst es aus der Zentrale. Im Zuge dessen hat der Marktführer das Profil der Marke Ostmann geschärft und sie stärker als praktischer Helfer im Kochund Lebensalltag positioniert. Ausdruck ist die noch junge Produktreihe «Lecker für». Mit der Fuchs-Range «Entdecke» greift das Unternehmen den Trend zur Ethno-Küche auf. «Diese Erlebnisfaktoren möchten wir noch stärker an den Point of Sale bringen und investieren in die Entwicklung neuer Produkt- und Anwendungskonzepte. Ausserdem wissen wir, dass sich die Verbraucher für die Inhaltsstoffe unserer Produkte interessieren. Aus diesem Grund wollen wir bis Ende 2018 die Rezepturen der Ostmann-Produkte, die keine reinen Aromenprodukte sind, auf rein natürliche Zutaten umstellen und dabei auf geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Palmöl verzichten», heisst es.

Diese Marschrichtung gehen auch andere Hersteller. Wie etwa Maggi: «Unser Fokus liegt auf der Produktplattform ‹Ideen vom Wochenmarkt›, die wir im Oktober 2017 gelauncht haben», sagt Brand Director Alexander Drees. Die Range umfasst elf Würz-Mixe, sechs Würz-Pasten zum Braten und zwei Bio-Bouillons, die alle Inspiration für neue Gerichte geben sollen und sich mit frischen Zutaten wie zum Beispiel Pak Choi oder Süsskartoffeln umsetzen lassen.

Warenkunde

Beachten Sie auch die Warenkunde «Gewürz ist nicht gleich Würze» am Ende der Randspalte.  

 

Info

Ist Salz ein Gewürz?

Salz besteht aus Natriumchlorid und ist somit kein Gewürz. Handelsseitig ist es allerdings im Gewürzregal platziert. Auch in dieser Kategorie herrscht einige Dynamik, besonders im Segment Meersalz. 2015 lag laut IRI sein Marktanteil bei 16 %, heute liegt er bei 18,3 % (LEH +DM ). Besonders die französischen Meersalze sind laut IRI weiter auf Wachstumskurs. Ein glaubwürdiges Qualitätsversprechen und die authentische Herkunft sind dabei die Treiber. I n dem Kontext ist das Untersegment Fleur de Sel mit einem Umsatzplus von 7,5 % noch einmal stärker gewachsen als der Gesamtmarkt Salz. D azu beigetragen, hat laut Importhaus Wilms die Marke «Le S aunier de Camarque». Die Produkte werden in den eigenen Salzgärten von Hand geerntet. «Die Salzblume» aus der Camargue besteht aus einzelnen, leicht feuchten Kristallen mit besonderer Körnung und Aroma. Daher ist es auch bestens als Finishing geeignet, das den Speisen das gewisse Extra verleiht. Es gilt also, die Qualitätsunterschiede aufzuzeigen und Empfehlungen auszusprechen, welches Salz wofür am besten geeignet ist, um das Potenzial abschöpfen zu können.

 

Statement

Melanie Zanoza Bartelme, Global Food Analyst bei Mintel, über Gewürztrends

«Eine Gewürzmischung, die bald grosses Potenzial in Deutschland haben könnte, ist Berbere. Die äthiopische Gewürzmischung enthält unter anderem Ingwer, Basilikum, Chilischoten und Knoblauch. Sie wird etwa in Eintöpfen genutzt, um Rind, Huhn, Linsen und Auberginen das gewisse Extra zu verleihen. Ras el Hanout ist eine weitere Gewürzmischung mit Wachstumschancen, die ursprünglich aus Nordafrika stammt. Sie enthält Gewürze wie Kardamom, Kreuzkümmel und Ingwer.»  

 

Zahlen

Die Deutschen experimentieren gern: Über die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) geben an, dass sie von fremden Küchen inspirierte Geschmäcker mögen und 41 Prozent der Deutschen hätten gerne eine grössere Auswahl an ethnischen Gewürzmischungen. 
Quelle: Mintel 

Mehr zum Artikel

Das Tomate-Mozzarella-Gewürzsalz besteht aus Meersalz (75 Prozent), Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Oregano, Thymian, Bohnenkraut, Basilikum und Majoran.

Die «Veggy Gewürzkreationen ohne Salz» eignen sich für die Zubereitung von vegetarischen Gerichten.

Tonkabohnen haben ein Aroma nach Mandel, Marzipan und Vanille und werden gerne als Alternative zu Vanille angewendet.

«Kucharek» ist die meistverkaufte Würzmischung in Polen.

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