Ausgabe:

Umworbene Fachkräfte

Donnerstag, 01. Februar 2018
Fotolia (nd3000)

Eines der grossen Probleme in der Handelslogistik ist der Personalmangel – und die Tendenz ist steigend. Mit welchen Massnahmen Händler in der DACH-Region gegensteuern, zeigt eine neue EHI-Studie.

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz sehen die Handelsunternehmen den Mangel an Logistikfachkräften auf dem Arbeitsmarkt aktuell als eines der gravierendsten Probleme in ihrer Logistik. Das belegt eine Umfrage des EHI Retail Instituts unter 23 Unternehmen, die in diesen Ländern Einzelhandel und/oder Onlinehandel sowie Versand- und Grosshandel betreiben. Für 57 Prozent der Befragten ist der Fachkräftemangel schon heute «sehr wichtig», und 78 Prozent gehen davon aus, dass diese Knappheit in Zukunft noch zunimmt. Entsprechend hoch ist der Stellenwert der Massnahmen, um dem Logistik-Fachkräftemangel entgegenzusteuern. 

96 Prozent der befragten Handelsunternehmen setzen auf die Aus- und Weiterbildung des eigenen Personals, bei den übrigen vier Prozent ist dies zumindest in Planung. 65 Prozent bieten Job-Rotation an. Damit lernen die Mitarbeiter auch das Umfeld ihres Verantwortungsbereichs besser kennen und können unter anderem bei Personalausfällen leichter als Ersatzkräfte eingesetzt werden. Als weiteren Schritt, um die Mitarbeiterzahl zu sichern, führen 65 Prozent zusätzliche Recruiting-Massnahmen durch. 

Massnahmen zur Mitarbeiterbindung

Arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitmodelle wie Teil- oder Gleitzeit, Homeoffice oder Ausrichtung an Kita-Öffnungen steigern ebenfalls die Attraktivität des Arbeitsplatzes. Diese lassen sich allerdings am ehesten in der Verwaltung – das sagen 61 Prozent der Befragten –  und mit Einschränkungen auf Lager- und Verkaufsstellenebene (35 % bzw. 29 %) umsetzen. Im Bereich Fuhrpark und Transport können sich das aktuell nur fünf Prozent vorstellen. 

Auch die Gesundheit der Mitarbeiter steht für viele Händler im Fokus. 61 Prozent haben präventive Gesundheitsmassnahmen am Arbeitsplatz im Angebot, und mehr als die Hälfte (57 %) der Befragten bietet Schulungen an, die zum Erhalt der Gesundheit im privaten Bereich beitragen sollen. 39 Prozent stellen ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze zur Verfügung, weitere 44 Prozent haben oder planen diese zumindest in Teilbereichen. 

Outsourcing wird zunehmen

Outsourcing-Massnahmen, die dem Unternehmen mehr Flexibilität ermöglichen, werden nach Ansicht der Befragten auch in Zukunft insbesondere im Fuhrpark und Transport eine grosse Rolle spielen. 35 Prozent gehen hier von einer Zunahme der Massnahmen aus, 55 Prozent erwarten ein gleichbleibendes Niveau. Aber auch in der Filiallogistik erwarten 38 Prozent der Händler einen grösseren Outsourcing-Anteil. In der Organisation und Verwaltung indes setzen die meisten Handelsunternehmen (78 %) auf die eigenen Mitarbeiter. «Durch Outsourcing kann der Handel flexibler auf schwankende Auslastungen in den physischen Abläufen reagieren, was sich in den Verkaufsstellen mit ihrer aufwendigen Filiallogistik als besonders wirtschaftlich erweisen mag,» bewerten die Autoren der Studie diese Ansätze. 

Ziemlich einheitlich beurteilen die Händler übrigens den zukünftigen Aufwand für das Recruiting von neuen Mitarbeitern. Nicht weniger als 91 Prozent gehen hier von einem Anstieg aus. Fazit des EHI: «Der Wettbewerb um qualifizierte Logistiker wird also unverändert hart bleiben, was letztgenannten weiterhin gute berufliche Zukunftsperspektiven eröffnet.»

Info

Hilft Kollege Roboter bald im Lager aus?

Über die Einsatzmöglichkeiten und eventuellen Vorteile kollaborativer Roboter in der Logistik ist man im Handel derzeit noch geteilter Meinung. Mehr als zwei Drittel (74 %) der für die EHI –Studie «Personal in der Handelslogistik 2017» befragten Händler wollen in Zukunft solche Systeme nicht einführen, die übrigen planen aber zumindest einen Einsatz. Auch werden die Tests, wie sie zum Beispiel von Metro und Hermes (Foto) im Bereich Home Delivery durchgeführt werden, laut Studie «mit grossem Interesse» verfolgt.  Nach Ansicht der Fachleute vom EHI wird sich «erfahrungsgemäss die Bereitschaft zum Einsatz relativ schnell erhöhen, sobald die ersten Händler hier die Vorreiterrolle übernehmen und sich erkennbare Vorteile aus dem Praxiseinsatz ergeben».