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To-go nimmt Fahrt auf

Dienstag, 18. Dezember 2018
Foto: Ralph Bensberg

Viele Handelsunternehmen – auch einige MARKANT Partner – bauen ihr Convenience-Angebot zum Sofortverzehr aus. Marktforscher erwarten, dass die Nachfrage nach sogenannten «To-go-Produkten» steigen wird.

Zeit ist heute ein knappes Gut – insbesondere in der Mittagspause. Die meisten Verbraucher nutzen ihre Pausenzeit vor allem für eins: Essen. Allerdings dauert die Zubereitung einer Mahlzeit – ob im Restaurant oder als vorbereiteter Lunch zu Hause – oft viel zu lange. Eine Umfrage im Auftrag von Kaufland zeigt, dass mehr als jeder Dritte bei der Gestaltung seiner Mittagspause regelmässig einen
To-go-Snack geniesst. Denn das spart Zeit. Kaufland hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG im Juni 2018 in Deutschland 1000 Berufstätige und Studierende ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ nach Alter und Geschlecht zu ihren Pausengewohnheiten befragt.

Frisches für die Pausen

Ob Smoothies, Wraps und Sandwiches, Fleischsnacks, Sushi, Müsli, Salat, gekühlte Säfte oder Milchmischgetränke: In Kauflands Kühlregalen stehen unter der 2018 eingeführten Eigenmarke «K-to go» insgesamt 54 Snacks bereit. Alle Produkte sind verzehrfertig, müssen nicht erhitzt werden und haben, wenn nötig, das Dressing und die Gabel schon dabei. «Mit K-to go unterstützen wir unsere Kunden dabei, in jeder Situation unkompliziert abwechslungsreiche Mahlzeiten zu geniessen», sagt Stefan Bachmann, Geschäftsleiter Eigenmarken bei Kaufland. «Zur Mittagszeit mit Kollegen, unterwegs im Auto oder einfach so zwischendurch – K-to go ist eine frische Ergänzung für die kleinen und grossen Pausen.» Mit diesem Konzept möchte Kaufland auch die zehn Prozent der Berufstätigen erreichen, die laut Umfrage regelmässig bei der Arbeit auf ihre Pause verzichten, ob freiwillig oder nicht. Denn: «Ein Wrap lässt immer noch eine Hand für das Telefon frei.»

Die Globus SB-Warenhäuser bedienen den To-go-Trend auf vielfältige Weise und profitieren dabei von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der Gastronomie. Die verschiedenen Globus-Gastronomien bieten ihren Gästen eine grosse Auswahl an frisch zubereiteten Gerichten und verzehrfertigen Snacks aller Art – auch zum Mitnehmen. Immer mehr Globus-Restaurants werden mit einem modernen Front-Cooking-Konzept mit Mitnahme-Service ausgestattet, erhalten eine eigene Sushi-Bar oder eine Salat-Bar. Und mit dem Online-Plattenservice für Sushi, Fisch und Käse geht Globus auch einen ersten Schritt in Richtung Click&Collect.
Auch tegut setzt beim Neu- oder Umbau von Filialen auf die Erweiterung des Gastro-Angebots und verzehrfertige Speisen zum Mitnehmen. Seit dem Umbau im Dezember 2018 rückt beispielsweise der Markt am Eschenheimer Turm in Frankfurt das Thema Convenience – «gute Lebensmittel zum Sofortverzehr» – stärker in den Fokus. «Mit der Erweiterung unseres Angebots, speziell im Bereich Convenience, stellen wir uns noch kundengerechter auf», erläutert Per Mikkelsen vom tegut-Vertrieb. In anderen Filialen werden die To-go-Angebote ebenfalls ausgebaut. In Frankfurt-Rödelheim wurde im November 2018 der Convenience-Bereich mit Backstation erweitert; hier erhalten die Kunden neben mehrmals täglich frisch gebackenem Brot und Backwaren auch frische Snacks und Lebensmittel zum Sofortverzehr.
Das Schweizer Handelsunternehmen Manor bietet in seinen «Manora»-Restaurants den Kunden die Möglichkeit, alle Speisen verpackt mitzunehmen. Mit seinem grossen Angebot an warmen und kalten Gerichten sowie hausgemachter Patisserie richtet sich Manora an Berufstätige, Schüler und Pendler. Ob die Gäste nun im Restaurant bleiben oder die Speisen mit nach Hause nehmen – mit diesem Konzept könne man «für alle Geschmäcker genau das Richtige» anbieten, äussert Italo Tempini, Store Manager bei Manor Heerbrugg.

Starke Wettbewerbsposition

Nicht nur im Lebensmittelhandel, auch in Convenience-Stores und Tankstellen gibt es neue To-go-Konzepte. So stellt der Grosshändler Lekkerland mit seinem Tankstellenshopkonzept «Frischwerk» Foodservice im wahrsten Sinne des Wortes in den Mittelpunkt: Wer einen dieser Shops betritt, läuft – je nach Grösse des Shops – auf eine integrierte Bäckerei, eine Grillbar oder eine Pizza-Theke zu. «Die Nachfrage nach Snacks zum Mitnehmen wächst kontinuierlich. Dabei sehen wir insbesondere bei warmen Mahlzeiten für mittags und abends noch grosse Umsatzpotenziale an Tankstellen», erklärt Norbert Kumor, Leiter Convenience, Gastronomie und Dienstleistungen der Westfalen Gruppe, die das Frischwerk-Konzept einsetzt. «Frischwerk ist ein Beispiel dafür, wie wir im Rahmen unseres strategischen Ansatzes Retail Enablement unsere Kunden dabei unterstützen, die veränderten Verbraucherbedürfnisse optimal zu bedienen», so Frank Fleck, Senior Vice President Corporate Strategy und Business Development bei Lekkerland.
«Damit stärken wir die Position von Tankstellen im Wettbewerb mit neuen Anbietern von Unterwegsversorgung.»

Warum Unterwegsversorgung und To-go-Konzepte keine kurzfristige Trenderscheinung sind, sondern in Zukunft noch wichtiger werden dürften, erklärt Swantje Fischenbeck von der Trend- und Innovationsberatung TrendONE. Die Expertin, die die To-go-Entwicklung für Kaufland analysiert hat, nennt mehrere Gründe dafür: «Wir gestalten unser Leben und auch unseren Arbeitsalltag zunehmend individuell und entsprechend flexibel. Gleichzeitig steigt der Druck in unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Das geht zulasten erholsamer Mahlzeiten mit der Familie, Freunden oder Kollegen.» Verzehrfertige Produkte seien vielfach «die perfekte Lösung, um Zeit für das Wesentliche zu schaffen». Auch als Zwischenmahlzeit punkten die praktischen Produkte: Eine Mafowerk-Studie zeigt, dass über die Hälfte der Befragten die Snacks einfach so zwischendurch gerne konsumiert.

 

Info

Die Kaufland-Umfrage zum To-go-Verzehr und ihre Kernergebnisse

Über ein Viertel der Befragten gibt an, dass sie zwischen 15 und 30 Minuten sparen, wenn sie einen To-go-Snack anstelle eines Besuchs in der Kantine, im Restaurant oder der Zubereitung eines mitgebrachten Essens von zu Hause wählen. Damit bleibt mehr Zeit, um die Mahlzeit zu geniessen oder die Pause mit anderen Aktivitäten zu füllen.

Mehr Zeit zum Essen und freie Bestimmung über Ort und Zeit ihrer Pause wünschen sich knapp ein Drittel der Befragten. To-go-Produkte bieten dafür beste Voraussetzungen, denn sie stehen sofort bereit.

Insbesondere die 18- bis 29-Jährigen setzen auf das mobile Mittagessen. Über die Hälfte von ihnen geniesst regelmässig verzehrfertige Produkte, sowohl direkt am Arbeitsplatz als auch für die schnelle Mittagspause unterwegs.

Einzig die 50- bis 65-Jährigen verbringen die Pausenzeit häufiger mit einem Essen in der Kantine, im Restaurant oder sogar zu Hause als mit verzehrfertigen Snacks.

Einigkeit herrscht bei der Vorstellung von einer idealen Mittagspause: In allen Altersgruppen ist das Anliegen, anschliessend entspannt und erholt zu sein, am wichtigsten.