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Weniger Wein, mehr Umsatz

Montag, 07. Oktober 2013
Foto: Fotolia/HappyAlex

Die Deutschen kaufen weniger Wein, geben dafür aber mehr Geld aus. Kleine Ernten und steigende Herstellungskosten haben dafür gesorgt, dass Wein auch in diesem Jahr wieder ein paar Cent teurer geworden. Eine größere Weinernte ist nicht in Sicht. Somit dürfte auch in 2014 der Preisdruck ausbleiben.

Weniger Flaschen bewegt, aber mehr verdient: Der Weinabsatz im Lebensmittelhandel ist im ersten Halbjahr 2013 mit 1,8 Prozent zwar leicht zurückgegangen, gleichzeitig konnte aber 1,8 Prozent mehr Umsatz erzielt werden, so die neuesten Zahlen aus dem Hause IRI. Der Durchschnittspreis erhöhte sich damit um 3,7 Prozent und lag bei den Super- und Verbrauchermärkten im Schnitt zwischen 2,94 und 2,99 Euro pro 0,75-Liter-Flasche. Roséweine konnten um 2,6 Prozent zulegen, während Weißweine weitgehend stabil blieben (+0,4 Prozent) und Rotweine Rückgänge von 4,4 Prozent zu verzeichnen hatten. Dabei bleibt Rotwein nach GfK-Zahlen auch für das zweite Quartal 2013 mit einem Absatzanteil von 47,4 Prozent der Lieblingswein der Deutschen,  Weißweine folgt  mit 41,1 Prozent auf Platz 2,  Roséwein erreicht immerhin 11,2 Prozent.

Deutsche Weine konnten bei allen Weinarten Marktanteile zurückerobern. Der Anteil deutscher Weine im Handel lag im zweiten Quartal 2013 laut Zahlen der GfK bei 38 Prozent, Frankreich erreicht 17, Italien 15 und Spanien 8 Prozent. In der Warengruppe Sekt und Champagner ergibt sich für das erste Halbjahr 2013 ein Absatzrückgang von 1,8 Prozent und ein Umsatzminus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Entscheidender für das Jahresgeschäft dürfte hier jedoch der Monat Dezember sein.

Trend: Ready to drink

Bekannte Weinkellereien haben mit innovativen Produkten, beispielsweise Premixes auf Weinbasis, die Verbrauchernachfrage belebt und ziehen bisher eine recht zufriedene Jahresbilanz. Für Binderer St. Ursula Weinkellerei beispielsweise hat sich das aktuelle Jahr erwartungsgemäß positiv entwickelt. Unter anderem profitiere der Getränkeabsatz der Münchner vom wachsenden „ready to drink“-Segment. Hier erwartet Binderer für die Lifestylemarke „2Go“ in diesem Jahr ein zweistelliges Absatzwachstum und einen Absatz von über 20 Millionen Dosen. Marktforscher führen den Boom weinhaltiger Getränke im Handel vor allem auf Hugo und Sprizz zurück. Es sollen in diesem Sommer mehr als doppelt so viele Weincocktails wie im Vorjahr verkauft worden sein. Unternehmen wie Binderer, Mertes oder auch ZGM bestätigen dies. Im Handel eingeführt sind von Binderer Marken wie „Le Filou“, „D’Amati“ oder „Corsaire Réserve du Président“. Für Kundenbindung sorgen hier verschiedene Promotions, unter anderem für den „Le Filou“ Dreier Pack, in diesem Jahr mit beigepacktem Käsehobel beziehungsweise Vakuumverschluss. Seit diesem Frühjahr ergänzt „Le sweet Filou Blanc“ die Markenfamilie. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass eine lange Jahre vernachlässigte Konsumentengruppe nun von vielen Häusern mit passenden, nämlich lieblichen und süßen Weinen adäquat bedient wird – vorausgesetzt den Produkten werden die benötigten Regalplätze eingeräumt.

Trend: Fruchtig-süß

Auch die Kellerei Langguth Erben wird zum Jahresende hin, sobald der Jahrgang 2013 gefüllt werden kann, den Markenwein „Medinet“ als Rosé und Weißwein ebenfalls in der Geschmacksrichtung fruchtig-süß bringen. Marketingchef Alois Dietzen: „Medinet ist damit die erste französische Weinmarke, die diese populäre Geschmacksrichtung in allen Farben zeigt“. Laut Firmenangabe entwickelt sich Langguths Weinabsatz positiver als der im ersten Halbjahr leicht rückläufige LEH-Weinverkauf insgesamt. Auch im zweiten Halbjahr soll sich bei Langguth die positive Entwicklung fortsetzen. Dafür will das Unternehmen mit Werbeplakaten zur Festsaison und Geschenkpackungen sorgen.

Jahresendgeschäft: hochwertige Marken

Das Präsentgeschäft, Feiertage und Jahresausklang entscheiden auch maßgeblich über das Sektgeschäft, das im ersten Halbjahr noch recht verhalten und damit etwas schwächer als im Vorjahr lief. So geht beispielsweise die Sektkellerei Henkell optimistisch gestimmt in die Saison. Unternehmenssprecher Jan Rock hält drei Trends auf dem Sektmarkt fest: anhaltende Erfolge und steigenden Absatzzahlen von Rosé-Sekt, der nun einen Marktanteil von über zehn Prozent hat, von alkoholfreiem Sekt (Marktanteil über zwei Prozent) und von Premixes. Für das Jahresendgeschäft sollen hochwertige Marken wie Fürst von Metternich  und Magnumflaschen hoch im Kurs stehen. Freixenet sieht im Sektmarkt einen „von aggressiven Handelsaktionen geprägten Verdrängungsmarkt“. Mit Premium-Spezialitäten und POS-Aktionen will das Unternehmen dagegen halten. Mit dem süßen Mia Moscato und dem alkoholfreien „legero“. hat Freixenet nach eigenen Angaben erfolgreich zwei aktuelle Konsumententrends (aromatisch und süß, wenig bis gar keinen Alkohol) aufgegriffen und kann eine erfreuliche Absatzentwicklung (+7,5 Prozent im ersten Halbjahr 2013) für seine Cavas notieren.  

Engpässe auf dem Beschaffungsmarkt

Erst mittelfristig kann sich die Weinernte 2013 auswirken, die – so erste Prognosen im September - möglicherweise weniger Menge bringen könnte als erwartet. Die Voraussagen zur Jahrgangsqualität fallen bislang recht gut aus. Auch Österreich könnte wieder ein Herbst mit „geringer Menge bei einwandfreier Qualität“ ins Haus stehen, vermutet Marketingleiterin Wiebke Bergmann von VOG in Darmstadt, die in Deutschland den Handel mit Weinen der Wachauer Kellerei Lenz Moser bedient. Gefragt seien bei deutschen Konsumenten vor allem Grüner Veltliner, Zweigelt und Blaufränkisch. VOG erwartet dabei „ein stabiles Ergebnis für das Gesamtjahr“. Vor dem Herbst äußerten sich vor allem die großen Moselkellereien besorgt über geringe Vorräte bei „einfachen, aber qualitativ ordentlichen Weißweinen“. Man hofft auf eine Entspannung der Lage durch den aktuellen Weinherbst. ZGM-Geschäftsführer Johannes Hübinger spricht gar von „massiven Engpässen bei weißen Rebsorten“ im Laufe dieses Jahres und konsequenterweise auch von Preiserhöhungen. Dagegen habe sich das Rotweingeschäft nach „deutlichen Preisrückgängen“ wieder belebt. Verstärkt werde wegen geringer Vorräte in Südeuropa wieder deutscher Rotwein gefüllt. „Wir hätten noch mehr verkaufen können, wenn die gewünschten Rebsorten und Mengen zur Verfügung gestanden hätten“, sagt Mertes-Geschäftsführer Michael Willkomm. Die deutsche Weinernte 2013 werde wegen der späten Blüte wohl überwiegend im Qualitätsweinbereich anfallen und hoffentlich die „jetzt sehr leeren Keller wieder auffüllen“. Willkomm nennt als Absatzschwerpunkte leichte, moderne Weißweine, Dornfelder beim Rotwein und liebliche Weine. Im Jahresendgeschäft sollten Prädikatsweine und Rotwein-Spezialitäten wie "im Barrique gereift" gut laufen.

 

Weinmarkt DACH:
 

Deutschland            

Pro-Kopf-Verbrauch: 24 Liter, stabil, davon 8 Liter deutscher Wein, 12 Liter Importwein, 4 Liter Sekt

Entwicklung:

  • Kleinere Weinernten meist nur 9 Millionen Hektoliter
  • 60 Prozent Weißwein
  • geringe Weinvorräte, weniger Weinexport
  • Import vor allem aus Italien, Frankreich und Spanien                    
     

Österreich

Pro-Kopf-Verbrauch: 30 Liter, stabil, 75 Prozent Inlandswein, wichtig auch Italien

Entwicklung:

  • Weinproduktion von 2,5 Millionen Hektolitern entspricht etwa dem Inlandskonsum
  • Rotweinflächen nehmen zu
  • dominierende Weißweinproduktion nimmt ab
     

Schweiz

Pro-Kopf-Verbrauch: 37 Liter, leicht rückläufig, Inlandswein 36 Prozent

Entwicklung:

  • Konsum: doppelt so viel Rotwein wie Weißwein
  • Inlandswein verliert Marktanteile

Quelle: Deutsches Weininstitut , Österreich Marketing, eigene Recherchen

                                             

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L´Étoile du Sud“ – der Stern des Südens – heißt es auf dem Etikett, der die französische „Partywein“-Linie Medinet um einen fruchtig-süßen Weißwein ergänzt. In der bauchigen Literflasche.
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ZGM
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