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Wenig Zucker, viel Frucht

Mittwoch, 12. Dezember 2018
Foto: Fotolia (egostock)

Ob zum täglichen Frühstück oder Brunch am Wochenende: Verbraucher lieben die Vielfalt von süssen Brotaufstrichen. Neue Rezepturen mit weniger Zucker und natürlichen Zutaten sorgen für Impulse am Point of Sale.

Konfitüre & Co. dürfen beim Frühstück nicht fehlen: Mehr als 90 Prozent der deutschen Haushalte kaufen laut Nielsen-Konsumentenpanel süsse Brotaufstriche. Für den Handel bringt das Segment stabile Umsätze mit zusätzlichem Wachstumspotenzial. So stieg der Umsatz in Deutschland 2018 laut dem Handelspanel IRI im Vergleich zum Vorjahr um rund zwei Prozent.

Mit verbesserten Rezepturen wollen die Hersteller der Kategorie 2019 zusätzlichen Schwung verleihen. Gefragt seien vor allem Premium-Produkte, so Torsten Teufert, Geschäftsführer bei Göbber: «Die Verbraucher greifen zu hochwertigen Konfitüren und Fruchtaufstrichen, weshalb das Premium-Segment seit Jahren wächst». Im Fokus stehen insbesondere Rezepturen mit weniger Zucker und mehr Fruchtanteil. «Gerade bei Aufstrichen fürs Frühstück suchen Verbraucher natürliche, zuckerarme Produkte, ohne auf den vollen Fruchtgeschmack verzichten zu müssen», erklärt Karl-Heinz Johnen, Geschäftsführer bei Zentis. Jörg Saalwächter, Marketing Direktor beim Importhaus Wilms, ergänzt: «Hohe Qualität, der Verzicht auf Zusatzstoffe und die Reduktion des Zuckeranteils bringen Anbietern einen klaren Wettbewerbsvorteil.»

Natürlichkeit und Kleinformate

Auf Farb- und Konservierungsstoffe verzichten viele Hersteller schon seit Jahren. Doch auch die Verwendung von Glucosesirup, Zitronensäure, Palmöl oder Soja sehen viele Verbraucher kritisch. «Der Wunsch nach natürlichen Produkten mit möglichst kurzer Zutatenliste wird zunehmend kaufentscheidend», hat man bei Schwartau beobachtet. Für die «Extra-Range» verwendet das Unternehmen deshalb seit 2017 statt Sirup und Säure nur noch Haushaltszucker und natürlichen Zitronensaft, 2019 soll auch Schwartau «Samt» umgestellt werden. «Zudem werden Nachhaltigkeit und Transparenz für Verbraucher immer wichtiger», sagt Produktmanagerin Lisa Marie von Lojewski. Mit QR-Codes soll ab März bei der Schwartau Hofladen-Range der Herkunftsnachweis der Früchte abrufbar sein. Ausserdem ist seit Dezember 2018 eine «Bienenhelfer»-Edition erhältlich, die Bienenprojekte in Norddeutschland unterstützt.

«Noch nicht voll ausgeschöpftes Potenzial» sieht Jörg Saalwächter vom Importhaus Wilms bei Bio-Produkten: «Hier liegt eine grosse Chance, Kaufimpulse zu setzen.»  Deutlich bemerkbar sei auch der Trend zu nachhaltig produzierten und fair gehandelten Produkten sowie veganen Alternativen. Mit den veganen sowie nachhaltig und ohne Palmöl oder Soja produzierten Schokoaufstrichen von La Vida sei man erfolgreich in diese Lücke gestossen.

Als Trend für die kommenden Jahre erwarten die Marktforscher von Mintel Produkteinführungen auf Nussbasis. Auch Honig werde als natürliche Süsse und durch seine gesundheitsfördernden Eigenschaften von den Verbrauchern geschätzt.

Neben neuen Rezepturen setzen die Hersteller auf bedarfsgerechte Verpackungen. Durch kleinere Haushalte und den Trend zum Ausser-Haus-Verzehr sind kleine Portionseinheiten gefragt. Für die Zukunft erwartet Mintel eine Zunahme von To-Go-Formaten, etwa Brotsticks mit Nusscreme-Dip. Beim Verpackungsdesign unterstreichen die Anbieter den Premium-Charakter: Hochwertige Glas-Designs mit Direktdruck oder Metallic-Look sollen Frühstücksfans schon rein äusserlich vom Produkt überzeugen.

 

Info

Zuwächse im süssen Marktsegment

  • Rund 1,08 Milliarden Euro hat der deutsche Lebensmittelhandel laut IRI von Oktober 2017 bis September 2018 umgesetzt, gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Der Absatz sank im selben Zeitraum um 0,5 Prozent auf rund 242 000 Tonnen. Den grössten Umsatzanteil erzielen Konfitüren, Marmeladen und Gelees, gefolgt von Schoko- und Nusscremes sowie Honig als drittgrösstem Marktsegment.
  • Auf der Favoritenlisten an süssen Brotaufstrichen steht bei den Deutschen die Nuss-Nougat-Creme ganz oben (MAT 2018: 403 Millionen Euro Umsatz, 87 000 Tonnen Absatz). Bei Konfitüren & Co. sind die Sorten Erdbeere, Himbeere und Aprikose am beliebtesten - dies gilt laut Mintel nicht nur deutschlandweit, sondern auch weltweit.
  • Laut Nielsen-Konsumentenpanel kaufen 91,3 Prozent der deutschen Haushalte süsse Brotaufstriche. Die Ausgaben dafür sind in den vergangenen drei Jahren um 2,3 Prozent auf 34,30 Euro pro Haushalt und Jahr gestiegen. Dabei werden allerdings weniger Packungen gekauft (2018: 17,2 Packungen, 1,7 % weniger als 2016). Auch die Einkaufshäufigkeit sinkt (2018: 11,8 Einkaufsakte, 1,7 % weniger als 2016).
  • In Österreich betrug der Umsatz im Segment Marmelade, Konfitüre, Fruchtgelee und -püree 2018 laut Statista etwa 122 Millionen Euro (+ 1,1 %  im Vergleich zum Vorjahr). Im Jahr 2018 lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei  2,5 Kilogramm, der Pro-Kopf-Umsatz bei 13,85 Euro.
  • Im Segment kakaohaltige Brotaufstriche wurden 2018 etwa 58 Millionen Euro umgesetzt. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch beträgt in 2018 ein Kilogramm, der Pro-Kopf-Umsatz beläuft sich auf 6,62 Euro.
  • In der Schweiz wurden im Segment Marmelade, Konfitüre, Fruchtgelee und -püree 2018 laut Statista rund 167 Millionen Euro umgesetzt (+ 2 %  im Vergleich zum Vorjahr). Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag 2018 bei 2,3 Kilogramm, der Pro-Kopf-Umsatz bei   19,56 Euro.
  • Im Segment kakaohaltige Brotaufstriche wurden 2018 etwa 14 Millionen Euro umgesetzt.
  • Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch beträgt in 2018 rund 0,2 Kilogramm, der Pro-Kopf-Umsatz lag bei 1,65 Euro.

Mehr zum Artikel

Die vegane Nuss-Nougat-Creme Bionella besteht laut Hersteller zu 100 Prozent aus Bio-Zutaten und wird mit echter Bourbon-Vanille verfeinert.

Den Mars-Schokoriegel gibt es jetzt auch als Brotaufstrich.

Beim Biscoff Brotaufstrich wird das aus der Gastronomie bekannte Karamellgebäck zu einer veganen Creme verarbeitet.

Die Schokoladencremes werden laut Unternehmen ohne Palmöl und Sojalecithin hergestellt. Stattdessen kommen hochwertige Öle, wie Raps-, Shea- und Kokosnussöl, sowie Sonnenblumenlecithin zum Einsatz.

Der «Glück»-Fruchtaufstrich enthält laut Hersteller nur Früchte und Gelierzucker und bietet eine echte Alternative zu selbstgemachten Konfitüren.

Die 2019er Edition «Frühlingssummen» unterstützt mit 40 Cent je verkauftes Glas bienenfreundliche Bepflanzungen in Deutschland.

Die neue Range «Intense» gibt es in den Sorten Aprikose, Erdbeere, Himbeere, Heidelbeere, Kirsche, Mirabelle, Pfirsich, Rote Früchte.

Die neue Chivers-Bio-Range setzt auf die wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten.
 

Ab Februar präsentiert das Unternehmen den Fruchtaufstrich «50 % weniger Zucker».

Die Schwartauer Werke erweitern ihr Hofladen-Sortiment von vier auf zehn Monosorten.