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Nachhaltig punkten

Montag, 03. Dezember 2018

Bio alleine ist mittlerweile Mainstream, Bio gekoppelt mit Fairness dagegen voll im Trend. Den Käufern von Tee, Kaffee und Kakao kann es gar nicht nachhaltig genug sein.

Tee oder Kaffee? Die Antwort auf diese Frage fällt in der DACH-Region meistens zugunsten der Bohne aus. In allen drei Ländern ist Kaffee das beliebteste Getränk. Der International Coffee Organization zufolge hat Deutschland den Pro-Kopf-Verbrauch 2016 mit 1246 Tassen angeführt, gefolgt von der Schweiz mit 1093 Tassen und Österreich mit 1056 Tassen. Anders sieht es da im Segment Tee aus. Sein Pro-Kopf-Verbrauch steigt zwar konstant, bewegt sich aber auf deutlich niedrigerem Niveau. Das absolute Hoch bei Schwarz- und Grüntee war 2016 mit 28 Litern pro Kopf erreicht. Für 2017 hat der Deutsche Teeverband einen Pro-Kopf-Verbrauch von 27,5 Litern ermittelt. Den von Kräuter- und Früchtetee beziffern die Experten von der gleichnamigen Wirtschaftsvereinigung auf rund 40 Litern pro Kopf. Der Österreichische Teeverband gibt den Verbrauch an Kräuter- und Früchtetee mit 33 Litern an. 

Heissgetränke und «Bio» sind eine bewährte Kombination. Vielleicht hat es mit dem gestiegenen Bewusstsein für Qualität und einer gesunden Ernährungsweise zu tun. Oder dass sich die Verbraucher generell ein grösseres Bio-Angebot wünschen. Vielleicht ist es auch der unverfälschte, ursprüngliche Charakter von Kaffee und Tee, der von einem Bio-Siegel noch geadelt wird. So oder so – Heissgetränke sind die Warengruppe mit den meisten Bio-Produkten. Heute tragen mehr als 11 000 Tees, Kaffees und Kakaogetränke das Bio-Siegel, so im Quartalsbericht zur Nutzung des Bio-Siegels nachzulesen. Für Österreich und die Schweiz liegen keine Zahlen vor; beide Länder werten die Verteilung ihrer Bio-Siegel auf die Warengruppen nicht aus.

Transparent und nachhaltig

Auch bei den aktuellen Neuprodukten bleibt «Bio» ein wichtiger USP. «Die Bio-Kennzeichnung ist für uns von grosser und wachsender Bedeutung», sagt Frank Rüthemann. Er ist als Nationaler Key Account Manager im J. Bünting Teehandelshaus tätig, wo Bio-Tee bereits einen Absatzanteil von mehr als 15 Prozent ausmacht. Die stark steigende Tendenz befeuern die Ostfriesen mit einer neuen Range: sechs lose Sorten als Blatt- oder Grobschnitt mit Namen wie Mediterrane Kräuter bis hin zu Erdbeere-Orange. Teekanne setzt auf beliebte Klassiker und bringt mit Bio Pur die vier Sorten Minze, Kamille, Fenchel-Anis-Kümmel und Grünen Tee in Bio-Qualität ins Teeregal. 

Teilweise überschneiden sich die Trends der verschiedenen Heissgetränke-Kategorien. So bietet die OTG drei Kräuter- und Früchtetees aus zertifiziert nachhaltigem Anbau (UTZ) und zugleich in Bio-Qualität an – ein Trend, den J.J. Darboven auch bei Kaffee wahrnimmt. «Doppelzertifizierte Produkte», nennt das Geschäftsführer Helmut Göss und erklärt: «Produkte, die neben dem Bio-Siegel beispielsweise auch die Fairtrade-Zertifizierung tragen.» Eine Folge, dass Verbraucher hinterfragen, unter welchen Bedingungen ein Produkt erzeugt wurde. «Bio-Kaffee, der auch noch zu fairen Bedingungen erzeugt wurde, ist vor allem für die jüngere, kauffreudige Generation attraktiv.» Auch der Trend zu neuen nachhaltigen Verpackungsmaterialien ist in beiden Segmenten zu finden. Der Hersteller Tecnaro hat erst im Oktober auf der Kunststofffachmesse Fakuma biologisch abbaubare Kaffeekapsel vorgestellt. Und Bünting hat seine Teekuverts auf das biologisch abbaubare Material Pergamin umgestellt.  

Der nächste Heissgetränke-Trend steht schon in den Startlöchern: Gemüse-Tee. Von den grossen Herstellern bislang noch ignoriert, nehmen sich vor allem kleinere Start-ups des Themas an. Von alveus gibt es Gemüsetees in folgenden Sorten: Captain Carrot (Karotte-Ingwer-Curry), Tomato Twist (Tomate-Thymian), Bouncing Broccoli (Brokkoli-Kohl) und Pirate Pumpkin (Kürbis-Apfel-Quitte). Natürlich in Bio.

Zahlen 

Bio-Anteil an eingeführten Heissgetränken 2107

46 % in Österreich
38 % in Deutschland
24 % in der Schweiz 

Quelle: Mintel

 

Tipps

Vermarktungs- und Crossselling-Tipps

  • J.J. Darboven empfiehlt Sonderplatzierungen, um einen Impuls zu setzen. Diese sollten das ganze Sortiment umfassen, also von Filterkaffee über Ganze Bohnen bis hin zu Pads. Dabei lassen sich Themen wie Nachhaltigkeit und Zertifizierungen in den Vordergrund rücken, was den Preis unwichtig werden lässt.
  • Bünting zufolge profitieren Bio-Produkte, wenn diese nicht nur im Bio-Regal, sondern auch den Warengruppen zugeordnet sind. In Bezug auf Aktionen empfiehlt das Unternehmen Kombi-Aktionen mit Artikeln wie Bio-Honig oder Bio-Gebäck. Zudem sind Verkostungen geeignet, um neue Konsumenten für das Produkt zu gewinnen. 
  • Allos Hofmanufaktur weiss, dass Tee gekauft wird, um sich etwas Gutes zu tun. Aber auch, um ihn zu verschenken. Produkte, die alle Sinne ansprechen und auch mit ihrem Packaging überzeugen, erreichen Shopper und Verbraucher. Zweitplatzierungen können insbesondere zur Teezeit und saisonalen Höhepunkten einen Mehrwert liefern.

 

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Mit den drei Sorten Orange-Ingwer, Mango-Melisse und Holunderblüte-Minze betritt die OTG ein neues Segment und bietet Kräuter- und Früchtetees aus zertifiziert nachhaltigem Anbau (UTZ) und zugleich in Bio-Qualität an.

Testa Rossa caffè BiOrganic ist eine Röstmischung gewaschener Arabica-Bohnen, deren langsame Reifung die Kakao- und Vanillenote und das Aroma von Trockenfrüchten hervorbringen.

«Fuerte» ist die zweite Variante mit 36 Pads innerhalb der ecológico-Range von Café Intención.

Die Tees von Cupper sind biologisch erzeugt. Die Sorte Be Happy hat durch Zitrone und Süßholz eine frische Note, Ingwer und Pfeffer machen ihn scharf.