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Genussvoll und nachaltig

Freitag, 01. März 2019
Foto: F1online

Ob voller Genuss, Bio, proteinhaltig oder auch vegan – Eis spiegelt in einem immer stärker werdenden Masse die aktuellen Lebens- und Ernährungsstile wider. Mit welchen Neuheiten der Handel in diesem Sommer punkten kann.

Der Traumsommer 2018 ist für die Eishersteller und den Handel zu einem Traumgeschäft geworden. In allen Kategorien (Impulseis, Hauspackungen und Multipacks) lief das Geschäft rund und brachte hohe zweistellige Umsatzzuwächse. Hörnchen, Stieleis, Riegel und weitere Kleineissorten zeigten als Impulsprodukte dabei die grösste Dynamik. Doch auch wenn hochsommerliche Temperaturen über einen so langen Zeitraum das Geschäft kräftig angeheizt haben: Im Eismarkt spielen neben wetterabhängigen Einflüssen zunehmend aktuelle warengruppenübergreifende Konsum- und Lifestyle-Trends eine Rolle für die Marktentwicklung.

Nachhaltige Impulse

So wird 2019 nach einhelliger Meinung der Industrie der bewusste Genuss wieder ein Top-Thema sein. Natürliche Inhaltsstoffe ohne künstliche Farbstoffe und Aromen, veganes Eis für alle Verbraucher, die auf Milchprodukte verzichten wollen oder müssen, sowie Produkte mit Bio-Siegel sollten sich auch im Eis-Sortiment des Lebensmittelhandels in diesem Jahr widerspiegeln und könnten nachhaltige Wachstumsimpulse setzen. Neben dem vielfältigen Markenangebot der grossen Eisanbieter positionieren sich inzwischen auch verstärkt kleine Unternehmen mit veganen Eissorten auf dem Markt und wollen damit das Thema nachhaltiger Konsum vorantreiben – wie etwa Nomoo aus Köln. Die Produkte in Bio-Qualität sind laktose-, gluten- und sojafrei und «dadurch nicht nur für Allergiker besonders gut geeignet, sondern für alle, die wahre Eiskunst zu schätzen wissen.» Zudem werden mit dem Trend «voller Genuss» die Rezepturen mit stückigen Zutaten in Form von Schokolade, Keks, Gebäckstücken, Nüssen und weiteren Bestandteilen immer aufwendiger, hebt der BDSI eine weitere aktuelle Entwicklung hervor. Somit liefert die Industrie auch über heisse Sommertage hinaus noch mehr eisige Genussmomente rund ums Jahr.

Portionierbarer Genuss

Wie im gesamten Süsswarenmarkt, so spielen auch beim bewussten Eisgenuss nicht nur Inhaltsstoffe eine grosse Rolle, sondern auch Portionsgrössen. Dabei geht es einerseits um den portionierten Genuss für zwischendurch, der sich laut Nielsen bereits durch ein besonders starkes Wachstum der Eis-Riegel im vergangenen Jahr bemerkbar machte – und nun auch weitere Neuheiten hervorbringt wie etwa den «Magnum Chocolate & Hazelnut Praliné Snack» von Unilever. Doch auch das Stiel-Eis bleibt ein gefragtes Angebot im Impulsbereich. Froneri Schöller erweitert mit der im Februar gelaunchten Eismarke «Nuii» ebenfalls das impulsstarke Portionssegment. Ein besonderes Merkmal sind hier die landestypischen Zutaten der vier Sorten, die beispielsweise mit weisser Schokolade und Cranberries für die Frische skandinavischer Landschaften oder mit Macadamia-Nüssen für das australische Outback stehen sollen.

Daneben gewinnt das Packungsformat «Pint» im Speiseeismarkt weiter an Bedeutung. Im Unterschied zur klassischen 1000-Milliliter-Hauspackung sind die Pints, die nur etwa über die halbe Menge an Inhalt verfügen, eher für den individuellen Genuss zuhause bestimmt. Jugendliche Aufmachung, englische Begrifflichkeiten, die Geschmacksvarianten und auch die Becherform lehnen sich an US-Vorbilder wie zum Beispiel Ben & Jerry’s an und finden auch hierzulande immer mehr Anhänger – insbesondere unter jungen Konsumenten. Zu den Trendprodukten 2019 zählt ferner auch das neue Slice-Format, das jetzt von der Marke Ben & Jerry’s mit «On the Dough» eingeführt worden ist: Dahinter verbirgt sich eine Scheibe Eis, sozusagen das Mittelstück eines Bechers, umhüllt von dunkler Kakaoglasur.

Info

Wachstumstreiber Becher

Die klassische Hauspackung im Supermarkt enthält rund 1000 Milliliter Eis. Allerdings verzeichnet der Bundesverband der Deutschen Süsswarenindustrie (BDSI) seit 2011 einen starken Anstieg bei den kleineren Varianten bis 500 Milliliter Inhalt. Von 2011 bis 2017 kletterte der Anteil der sogenannten Pints von 4,2 auf inzwischen 11,2 Prozent Anteil an den Haushaltspackungen. Der Hintergrund dafür ist vor allem die demographische Entwicklung. Der Anteil der Ein- und Zweipersonenhaushalte wächst permanent und erreichte 2017 bereits einen Anteil von über 75 Prozent. Im Jahr 2019 nehmen die Angebote in den Eis-Haushaltspackungen bis 500 Milliliter noch einmal deutlich zu.

Trends

Weniger Kalorien

Das britische Marktforschungsinstitut Mintel hat bei einer Online-Verbraucherumfrage vor allem den niedrigen Zuckergehalt neuer Eisangebote als wesentlichen Treiber für steigende Nachfrage im Speiseeismarkt identifiziert. Ob die befragten Verbraucher damit richtig liegen, wird sich zeigen. In jedem Fall steigt das Angebot solcher Produkte in diesem Jahr, beobachtet auch BDSI-Geschäftsführer Ernst Kammerinke: «Mit der plakativen Auslobung der Kalorienzahl präsentieren in diesem Jahr Anbieter Speiseeise nach US-amerikanischem Vorbild: Die Produkte enthalten weniger Zucker und weniger Fett, dafür viel Protein und Extrakte der Stevia-Blätter, die teilweise den Zucker ersetzen. Andere Hersteller kommen mit fettreduzierten Speiseeisen in sogenannten Light-Varianten ohne zusätzliche Proteinanreicherung auf den Markt.»

Handwerkliche Kreationen

Ein grosser Prozentsatz der Konsumenten in ganz Europa wünscht sich laut einer Befragung des britischen Marktforschungsinstitutsmehr handwerklich gefertigtes und qualitativ hochwertiges Eis im Supermarkt. In Deutschland zeigt mehr als ein Drittel der Verbraucher (39%) Interesse daran, was eine grosse Chance für Marken darstellt. Dies bezieht sich auf echtes Gelato, das weniger Luft als normales Eis enthält sowie weniger Sahne und mehr Milch enthält.

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Mit «Brownie Macchiato» (Stieleis Multipack, Pint) und «Caramel Chai Latte» (460-ml-Pint) präsentiert Häagen Dazs ab sofort die neue Barista Collection – Eiscreme auf Basis von Coffeeshop-Kreationen.

Das Kölner Unternehmen Nomoo hat sein veganes Bio-Eis im 120-ml- sowie 500-ml-Becher auf insgesamt sechs Sorten erweitert, darunter «Kakao» (Abb.).