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Ganz frisch gemahlen

Mittwoch, 06. Dezember 2017
Foto: Fotolia (igradesign)

Die deutschen Verbraucher entwickeln sich zu echten Kaffee-Experten und lassen sich ihr individuelles Kaffee-Erlebnis mehr kosten. Die Inspiration dazu liefert die Gastronomie.

Kaffee ist nach wie vor das Lieblingsgetränk der Deutschen. Im vergangenen Jahr konsumierten die Bundesbürger durchschnittlich 162 Liter pro Kopf, meldete unlängst der Deutsche Kaffeeverband, dabei geniessen ihn vier von fünf Deutschen täglich. Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um den klassischen gemahlenen Filterkaffee, wenngleich dieser sich trotz rückläufigem Absatztrend weiterhin als klarer Spitzenreiter im Kaffeemarkt behauptet. Laut Kaffeeröster Jacobs Douwe Egberts (JDE) entwickeln sich die deutschen Verbraucher immer mehr zu echten Kaffeegeniessern und -experten. Bei der Kaffeezubereitung werde gern variiert und es würden verschiedene Zubereitungsmethoden genutzt, der Frischeaspekt durch das Mahlen komme hinzu, genauso wie die spezielle Zubereitung von Espresso, sind sich Marktforscher, Hersteller und Händler einig.

Die Branche verspricht sich daher vor allem für das Segment «Ganze Bohne», das seit Jahren dynamisch wächst, noch viel Potenzial. Das zweitgrösste Kaffeesegment umfasst sowohl die «Ganze Bohne klassisch», die vorwiegend in Vollautomaten und für die Herstellung von Filterkaffee Verwendung findet, wie auch die «Ganze Bohne Espresso/Caffé Crema», die für den Einsatz im Siebträger und im Vollautomaten geeignet ist. Das Käuferpotenzial sei sehr hoch und attraktiv, heisst es etwa bei Tchibo, und habe inzwischen eine Käuferreichweite von über 20 Prozent erzielt.

Ganze Bohne ist gefragt 

Bei der Zubereitung von Filterkaffee, Caffè Crema, Espresso oder Kaffeemilchspezialitäten achtet der Verbraucher neben Convenience auf hohe Qualität. Immer häufiger wird daher der Kaffee zu Hause erst kurz vor dem Brühvorgang gemahlen, beobachtet Verbandshauptgeschäftsführer Holger Preibisch, denn nichts schütze das Kaffeearoma besser als die Bohne selbst, weil die Aromastoffe auf diese Weise länger erhalten blieben. Dies erklärt die positive Nachfragentwicklung der «Ganzen Bohne».  Treiber ist dabei in erster Linie die portionsweise Kaffeezubereitung.

Die grossen Kaffeeröster haben ihre Portfolios entsprechend erweitert. So ist beispielsweise JDE kürzlich unter der Bezeichnung «Expertenröstung» mit drei Ganze-Bohnen-Produkten in verschiedenen Röstgraden in dieses Segment eingestiegen. Tchibo bedient diesen Trend unter anderem mit Barista Espresso oder Caffè Crema. Mit speziellen Selektionen des Jahres setzt auch Dallmayr im eigenen Crema d’Oro Sortiment neue Akzente. Nach dem Ursprungskaffee aus Kolumbien (2016) folgt ab Januar 2018 die zweite Sorte «Selektion des Jahres» aus Peru.

Auch der Handel sieht im Segment Ganze Bohne derzeit das grösste Potenzial, sich bei den Kunden zu profilieren, und nutzt zunehmend die Möglichkeiten der Inszenierung beziehungsweise der Differenzierung vom Wettbewerb. Zum einen über das Warenangebot, das in wachsendem Umfang neben den Produkten der grossen, bekannten Kaffeeröstereien auch kleinere Marken von regionalen Röstereien vorhält. Zum anderen gibt der Handel der Inszenierung des Kaffeesortiments am Point of Sale mehr Raum, darunter MARKANT Mitglieder wie die Metro in Krefeld, die nach umfassenden Umbaumassnahmen und im Zuge der Schaffung neuer Premiumwelten an diesem Standort auch mit einer «Kaffee-Welt» punktet. Hier steht den Kunden nicht nur eine nach eigenen Angaben erstklassige Auswahl an Kaffeebohnen zur Verfügung, sondern auch die passende Espressomaschine oder der komfortable Kaffeevollautomat. Auf einer speziellen Verkostungsfläche können die Kunden das breite Angebot ausprobieren und sich von den speziell geschulten Mitarbeitern beraten lassen. Als neue Produkte wurden beispielsweise die Hanseatic Coffee Company, eine junge Privatrösterei mit ihrer gleichnamigen Marke sowie die Kaffeerösterei Minges ins Sortiment aufgenommen, heisst es bei Metro.

Akzente mit Expertenröstungen

Mit einer eigenen Marktrösterei, in der Kaffee mehrmals täglich frisch geröstet, gemahlen und verarbeitet wird, inszeniert Real in Krefeld das Erlebnis Kaffeegenuss. Hier stehen zwölf selbst geröstete Hausmischungen – fünf davon in Bio-Qualität – zur Verfügung, deren Rohstoffe nach Unternehmensdarstellung aus den besten Kaffeeregionen der Welt stammen. Kunden können die Kaffeespezialitäten von Ristretto, Espresso, Lungo oder Café crème über Milchkaffee und Cappuccino bis hin zum Latte macchiato oder frisch gebrühten Filterkaffee nicht nur geniessen, sondern auch dem Röster bei seiner Arbeit über die Schulter schauen, etwa bei der «Krefelder Mischung».

Statements

Dallmayr
«Das Bewusstsein für gute Qualität und die Wertschätzung für das Produkt steigt mit zunehmendem Wohlstand, auch bei Kaffee. Dieser Trend zeigt sich zum einen im positiven Wachstum des Ganze-Bohne-Segments mit über fünf Prozent, zum anderen setzen immer mehr Haushalte – vor allem in der Altersgruppe 50plus – auf hochwertige Kaffeevollautomaten und professionelles Equipment. Der moderne Verbraucher lässt sich vom Ausser-Haus-Markt inspirieren, holt die Trends in die eigenen vier Wände und greift immer häufiger zu Premium-Kaffeeprodukten.»

Melitta
«Die grundsätzlichen Wachstumstreiber sind Frische, das heisst, jede Tasse wird aus frisch gemahlenen Bohnen frisch zubereitet, sowie der wachsende Anspruch an Qualität. Dabei geht es um den kleinen Luxus im Alltag, der wiederum insbesondere durch den Kaffeevollautomaten getrieben wird. Hinzu kommt der Genuss, der psychologisch eng mit der Crema verknüpft ist. Ein zusätzlicher Aspekt, der sich positiv auf die Segmententwicklung auswirkt, ist der Trend zur Individualisierung, also: Jedes Familienmitglied bekommt seinen persönlich favorisierten Kaffee.»

 

Info

3,12 Kilogramm Kaffee kaufte laut Nielsen im Durchschnitt jeder Deutsche zwischen August 2016 und Juli 2017 – das entspricht, über alle Sorten hinweg, sechs Pakete à 500 Gramm. Klassischer Filterkaffee deckt mit einem Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro knapp die Hälfte des gesamten Umsatzes ab (46,4 %). Auf Platz zwei liegt die Espresso Bohne (417 Mio. Euro), gefolgt von Instantkaffee (rund 402 Mio. Euro), den Kaffee-Kapseln (knapp 387 Mio. Euro) und den Kaffee-Pads (245 Mio. Euro). Im Absatzranking bilden die Kaffeekapseln allerdings das Schlusslicht. Der Absatz ist hier gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 785 Millionen Euro zurückgegangen. «Dies ist hauptsächlich auf die geschlossenen Kapselsysteme zurückzuführen. Die schon länger andauernde rückläufige Entwicklung bei Filterkaffee und Instantkaffee hält auch aktuell noch an», so Michael Griess, Kaffee-Experte bei Nielsen. Zugleich beobachtet der Marktforscher eine wachsende Bereitschaft der Deutschen, mehr für ihren Kaffee zu zahlen.

 

Info

Ganze Kaffee Bohnen, Europa
In einer kürzlich (2017) durchgeführten Mintel Studie gaben 7 % der Verbraucher in Frankreich, 26 % der Verbraucher in Deutschland, 11 %  der Verbraucher in Spanien und 28 % der Verbraucher in Polen an, dass sie in den letzten drei Monaten ganze Kaffeebohnen gekauft haben, die sie selber mahlen. Eine Analyse der Mintel Global New Products Database (GNPD) zeigt zudem, dass es in den vergangenen Jahren verstärkt Produktneueinführungen von ganzen Kaffeebohnen in Europa gegeben hat: Im Jahr 2012 waren es 12 %, 2016 mit 27 % mehr als doppelt so viele. Deutschland führt dabei das Feld an klar, mit fast einem Viertel (23,2%) der Einführungen in dieser Produktkategorie in Europa, gefolgt von Dänemark und den Niederlanden.

 

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