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Bonjour Genuss

Freitag, 26. April 2019
Foto: Stockfood

Spezialitäten aus Frankreich stehen für guten Geschmack, Qualität und eine einzigartige Vielfalt. Mit ihrer besonderen Hingabe für Regionalität und Handwerk begeistern «die Franzosen» auch hierzulande.

Ob Haute Cuisine oder einfach gutes Essen und guter Wein – weltweit gilt Frankreich als Heimat von Gourmets und auch im Alltag zelebrierter Mahlzeiten. Was Spezialitäten aus Frankreich so besonders macht, erklärt Christian Hamm, Abteilungsleiter Agrarprodukte, Lebensmittel und Technik bei Business France: «Französische Produkte werden für ihre Qualität, den sehr guten Geschmack und die immense Vielfalt der Sorten geschätzt.» Die Qualität resultiere zum einen aus den sorgfältig gewählten, oft regional produzierten Zutaten. Aber auch aus dem speziellen Know-how, dem «Savoir-faire», der französischen Produzenten. Zudem setzten französische Landwirte verstärkt auf nachhaltige Produktion, etwa durch Verringerung des Pestizideinsatzes oder durch den Einsatz für mehr Tierwohl.

Impulsstarke Inszenierung

Unter deutschen Verbrauchern galt die französische Küche jedoch bislang als eher exklusiv und wenig nachmachbar. «Das ändert sich gerade», heisst es bei Rila. «Junge französische Köche kombinieren erprobte Kochtechniken mit internationalen Trends. Sie verabschieden sich vom mehrgängigen Menü und bieten französische Gerichte auch im attraktiven Tapas-Format, was vor allem beim jungen Publikum gut ankommt.»

«Bistro statt Bocuse» lautet also das Motto, das auch deutsche Konsumenten überzeugt. «Den positiven Effekt einer zunehmend unkomplizierten, aber qualitativ erstrangigen Küche spüren wir in der steigenden Nachfrage nach hochwertigen, aber dennoch erschwinglichen Produkten, die französisches Flair in heimische Küchen bringen», sagt Jörg Saalwächter, Marketingleiter beim Importhaus Wilms. «Gefragt sind vor allem Produkte, die in Frankreich und nach original französischen Rezepturen hergestellt werden», ergänzt Christina Köstler, Marketingleiterin bei Délifrance. «Diese müssen in Optik und Geschmack den Erinnerungen an den letzten Urlaub in Frankreich standhalten.»

Treiber im Markt sind aus Sicht der Hersteller vor allem authentische Produkte, die aufmerksamkeitsstark in Szene gesetzt werden. «Im Bereich Käse sind etwa Premium-Produkte ein echtes Plus gegenüber dem Wettbewerb», erläutert Frank Kröner, Leitung Sales & Marketing Services bei Savencia. «Sie folgen einem rigorosen Qualitätsanspruch und erfüllen so die Erwartungen der Konsumenten.» Potenzial sieht das Unternehmen vor allem bei besonderen Spezialitäten. «Käseliebhaber sind probierfreudig», so Kröner. «Daher sind diese Produkte immer stärker in den in Deutschland bevorzugten Vertriebskanälen wie LEH oder auch Discount zu finden.» Konzepte mit abgepackter Thekenware und SB-Spezialitäten in gesonderten Truhen sorgten für eine gute Entwicklung.

Französisches Brot mit Wachstumschancen

Auch bei Brot- und Backwaren geht es um «typisch französische» Genusserlebnisse. «Wer einmal in Frankreich im Urlaub war, weiss ein frisch gebackenes Croissant zu schätzen», stellt Christina Köstler von Délifrance fest. «Wir sehen bei Klassikern wie Croissants, Macarons und Eclairs sehr gute Wachstumschancen. Zudem geht die Verbrauchergunst derzeit klar zu rustikalen Broten.»

Doch auch abseits «gelernter Kategorien» wie Wein, Käse oder Brot interessieren sich Konsumenten für französische Produkte. «Bei Meersalz beobachten wir seit einigen Jahren eine überproportional hohe Nachfrage», berichtet Jörg Saalwächer vom Importhaus Wilms. Das Segment beanspruche mittlerweile knapp ein Viertel des Salzmarkts für sich, wobei ein starker Treiber die Nachhaltigkeit sei.

Herkunft als Vermarktungsstrategie

Für die Vermarktung im Handel sollte vor allem die Herkunft der Produkte als Qualitätsmerkmal herausgestellt werden. Das gilt auch in Kategorien, bei denen bislang die Herkunft nicht ausschlaggebendes Kaufkriterium ist, etwa bei Fleisch und Wurstwaren. «Was bei Weinen Standard ist, sollte auch in der Wurstabteilung berücksichtigt werden», meint Christopher Klotz, Marketing Manager bei Campofrio. «Hier findet meist eine Platzierung nach Kategorien statt. Dabei bietet auch diese Warengruppe eine grosse Bandbreite an Spezialitäten aus vielen Ländern.»

Viel Potenzial liegt auch in der Beratung an der Theke und entsprechender Schulung des Personals. «Wecken Sie die Freude am Produkt, indem Sie Kunden die Geschichte dahinter erzählen», rät Business France-Experte Christian Hamm. «Wo kommt es her? Was zeichnet den Produzenten aus? Welche Zutaten werden verwendet?» Diese emotionale Verbindung zwischen Konsument und Produkt verringere oft auch die Preissensibilität der Käufer. «Natürlich ist der Preis französischer Spezialitäten oft ein bisschen höher. Doch wer Freude an gutem Essen hat, ist auch bereit mehr auszugeben. Es muss ja nicht jeden Tag sein.»

Info

Der Markt im Überblick
Nach Angaben von Business France hat Frankreich 2018 Agrarprodukte im Wert von rund 6,8 Milliarden Euro nach Deutschland exportiert. Den grössten Anteil daran hat Wein, insbesondere Champagner. Aber auch weitere Klassiker wie Bordeaux oder Burgunder werden stark nachgefragt. Zudem werden Crémant sowie Weine aus dem Languedoc beliebter, insbesondere durch die steigende Nachfrage nach reinsortigen Weinen, die über ein gutes Preis-Leistungsverhältnis verfügen. Zweitstärkstes Produkt ist Käse, wobei Frankreich im Bereich Weichkäse in Deutschland führend ist. An dritter Stelle kommen Backwaren wie Brot oder Croissants.

Nach Österreich wurden 2018 Nahrungsmittel, lebende Tiere, Getränke und Tabak im Wert von rund 336 Millionen Euro aus Frankreich exportiert, so Zahlen von Statistik Austria.

Die Schweiz hat 2017 Agrarprodukte aus Frankreich im Wert von knapp 1,5 Milliarden Franken importiert, so der Agrarbericht 2018. Den wertmässig grössten Anteil haben Rotwein, Schaumwein und Weichkäse.

 

Info

Qualitätsnachweis
Für die hohe Qualität französischer Produkte stehen verschiedene Gütesiegel: Etwa die «Appellation d‘Origine Protégée» (AOP), die «geschützte Ursprungsbezeichnung», bei der verschiedene strenge Kriterien erfüllt sein müssen, insbesondere in Bezug auf Herkunft und Produktionsweise. So tragen etwa mehr als 40 französische Käsesorten diese Bezeichnung.

Die «Indication Géographique Protégée» (IGP), die «geschützte geografische Angabe», gibt Auskunft über das Herkunftsgebiet. Sie kennzeichnet etwa Weine, die aus einer Region kommen.

Das «Label Rouge»-Gütesiegel wird von einer staatlichen Kommission für hochqualitative Lebensmittel verliehen. Man findet es besonders im Geflügelbereich, wo es mit traditioneller und naturnaher Tierhaltung verbunden ist, was für Kunden ein immer wichtigeres Kriterium ist.

 

Vermarktungstipps

Französische Marken unterstreichen ihre Herkunft traditionell durch authentische Produkte und ein aufmerksamkeitsstarkes Packaging. Das Importhaus Wilms empfiehlt, diese Faktoren zu nutzen und am POS Geschichten rund um das Thema französische Kulinarik zu erzählen. Dabei bietet sich etwa der Einsatz von Thementischen zu den französischen Regionen an. Die Produktplatzierungsmöglichkeiten sind vielfältig: von Wein, Cidre oder Cognac über Käse, Wurst oder Confit bis hin zu Macarons oder Gaufres.

Auch Cross-Promotions und Sonderaufbauten mit anderen Waren zu einem bestimmten Thema, etwa einem französischen Picknick, französischen Desserts, Häppchen à la française oder Rezepten aus dem Bistro, schaffen Kaufimpulse, heisst es bei der Kommunikationsagentur Sopexa. Für besondere Aufmerksamkeit sorgen hier etwa Deckenhänger mit ansprechenden Ambiente-Fotos, so ein Tipp von Délifrance. Optisch ansprechende, grosse Produktabbildungen machen zudem Appetit auf den Inhalt. 

Für französische Spezialitäten sind neben den Feiertagen vor allem der Sommer und damit die Grillsaison ideale Aufhänger, heisst es beim  Importhaus Wilms. Neben Grillfleisch aus Frankreich (etwa Charolais) sorgen auch Meersalz, Olivenöle oder Dijon-Senf-Sorten in dieser Zeit verstärkt für Kaufimpulse und bieten sich für prominente Platzierungen an, etwa als aufmerksamkeitsstarke Zweitplatzierungen in der Fleisch- oder Gemüseabteilung. Auch Samplings, Rezepte und Verkostungen sind ideale Instrumente, um Verbrauchern Verwendungsanlässe aufzuzeigen und Probierimpulse zu setzen.

Verkostungen am POS sollten über blosses Probieren hinausgehen und alle Sinne ansprechen, rät Sopexa. Bei einer Weinverkostung könnten etwa die Bodenbeschaffenheit des «terroir» zum Anfassen sowie Früchte und Gewürze in Gläsern zum Riechen der einzelnen Weinstile präsentiert werden, was Kunden ganzheitlich berührt und im Gedächtnis bleibt.

Ausserhalb der Saison empfehlen sich aktionsstarke Länderwochen, die französische Spezialitäten fokussieren, so ein Tipp von Campofrio. Zudem rentiert es sich Länderkonzepte anzubieten und Spezialitäten-Bereiche im Regal auszuweisen. Wenn wenig Platz in der Regal-Erstplatzierung vorhanden ist, unterstützen Zweitplatzierungen und Displays die Kontakthäufigkeit im Markt zu erhöhen und den Abverkauf zu forcieren.

Für die Platzierung im Regal schlägt Savencia vor, Spezialitäten im Block im SB-Regal oder in Pre-Pack-Truhen und in den Theken zu platzieren. Promotions sollten Neues mit Bekanntem verbinden, um den Zugang zu erleichtern und Produkte emotional erlebbar zu machen, zum Beispiel «Käse und Wein».