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Alle Zeichen auf Grün

Mittwoch, 12. Dezember 2018
Foto: Fotolia (ricka_kinamoto)

Vegetarische und vegane Produkte ziehen die Konsumenten zunehmend an die Regale. Das MARKANT Magazin gibt eine Übersicht, worauf Verbraucher besonderen Wert legen.

Fleischlose Produkte sind gefragt: Nach Angaben des Handelsmarkenmonitors 2018 interessiert sich fast jeder vierte deutsche Konsument für vegetarische Produkte, jeder achte für vegane Produkte – wobei nur maximal zwei Prozent der Bevölkerung tatsächlich vegan leben. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Österreich und in der Schweiz. Rund neun Prozent der Österreicher ernähren sich laut Statista vegetarisch, in der Schweiz leben elf Prozent der Verbraucher vegetarisch. «Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe sind nicht mehr nur bei Veganern und Vegetariern beliebt, sondern unterstützt den allgemeinen Trend zu gesunder und abwechslungsreicher Ernährung», erklärt Katya Witham, Analystin beim Marktforschungsinstitut Mintel. «Vor allem Flexitarier, die bewusst weniger Fleisch essen, nehmen pflanzliche Produkte in ihre Ernährung auf.»

Dieser Trend beflügelt seit Jahren den Markt. Besondere Dynamik liegt bei den rein pflanzlichen Artikeln: Von allen veganen Lebensmitteln und Getränken, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 weltweit eingeführt wurden, stammen laut Mintel 15 Prozent aus Deutschland und immerhin drei Prozent aus Österreich. Dieses Potenzial haben auch die Hersteller erkannt: «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, noch mehr vegane Artikel auf den Markt zu bringen», sagt etwa Godo Röben, Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle. «Bei Molkereiprodukten entwickelt sich nach den veganen Milchprodukten auch die vegane gelbe Linie zur eigenständigen Kategorie», hat Caroline Zimmer, Geschäftsführerin E.V.A., beobachtet. «Verbraucher schätzen diese Produkte als willkommene Abwechslung, wenn sie gut schmecken und eine bewusste Ernährung unterstützen.»

Pflanzliches in Bio Qualität

Auch pflanzliche Brotaufstriche sowie Tofu, Tempeh und Seitan sind gefragt. Der reine Verzicht auf  tierische Bestandteile ist vielen Verbrauchern aber nicht genug: Bio-Qualität und «Clean Eating», also möglichst kurze Zutatenlisten, sind ihnen ebenso wichtig. «Die Kombination ‹Bio plus pflanzlich› spielt künftig eine grössere Rolle», sagt Bernd Drosihn, Geschäftsführer von Tofutown. Verbraucher hätten erkannt, dass Veggie nicht zwingend auch gesund bedeute, ergänzt Ralf Hoppe, Geschäftsführer Vetrieb bei Allos. «Ob Aromen oder Zusatzstoffe, die Liste der Inhaltsstoffe ist zum Teil endlos lang.» Allos setze dagegen auf Volldeklaration der Zutaten und verzichte auf künstliche Zusätze, Geschmacksverstärker, Farb- und Aromastoffe. Andere Hersteller ersetzen das aus Umwelt- und Gesundheitsgründen in die Kritik geratene Soja durch Hülsenfrüchte oder Gemüse.

Die Lust am pflanzlichen Genuss hat verschiedenste Motive: Tierwohl, Klimaschutz oder eine gesündere Ernährung werden Umfragen zufolge (beispielsweise von Statista oder der Vereinigung Swissveg) häufig als Gründe genannt. Trotzdem möchten Verbraucher nicht auf Gewohntes verzichten. Überwiegend bei Produkten, die Fleisch ersetzen, sei eine Hemmschwelle für Verbraucher manchmal noch der Geschmack.
Er kommt nicht immer an das Original heran, hat man bei der Rügenwalder Mühle beobachtet. Carina Wanner, Marketing Managerin bei Noa, ergänzt: «Die Verbraucher legen Wert auf möglichst natürliche Produkte, die aber auch convenient sind und damit einen schnellen, abwechslungsreichen Genuss ermöglichen. Zudem wird es wichtiger, dass die Produkte keinen ‹eingestaubten Apothekencharakter› haben.» Gelingt dies, erreiche Veggie die breite Masse, sagt Wanner: «Rund zwei Drittel unserer Kunden sind keine Vegetarier oder Veganer.»

 

Info

Marktzahlen

Knapp 82 Prozent der deutschen Haushalte kaufen Veggie-Produkte, so das Nielsen-Konsumentenpanel. Sowohl die Ausgaben pro Haushalt und Jahr (November 2017-Oktober 2018: 30,70 Euro), als auch die Zahl der gekauften Packungen (November 2017-Oktober 2018: 19,3 Packungen) und die Einkaufsfrequenz (November 2017-Oktober 2018: 10,8 Einkäufe pro Jahr) sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Laut Mintel glaubt die Hälfte aller deutschen Konsumenten, dass pflanzliche Proteine genauso nahrhaft wie tierische Proteine sind. Fast jeder Fünfte findet, dass Pflanzenprotein besser schmeckt als tierisches Protein.

Berichte über Massentierhaltung gelten für Österreicher als wichtigster Auslöser für eine vegetarische oder vegane Lebensweise, so das Umfrageergebnis von Statista aus dem Jahr 2017. Österreichische Vegetarier und Veganer konsumieren neben Obst, Getreideprodukten und Gemüse auch spezielle Fleisch- oder Milchersatzprodukte, etwa aus Soja. Außerdem betreiben sie beim Einkauf einen besonders hohen Aufwand und informieren sich viel über das Internet.

Zehn Prozent der Schweizer haben laut Statista 2017 vegetarische Produkte als «Ersatz» für konventionelle Angebote mit tierischen Bestandteilen gekauft. Sechs Prozent kaufen vegane Produkte, um konventionelle zu ersetzen. In der Deutschschweiz gibt es laut SwissVeg signifikant mehr Vegetarier als in der Westschweiz (12 % im Vergleich zu 5 %). Auch die Anzahl der Fleischkonsumenten ist in der Deutschschweiz mit 67 Prozent insgesamt niedriger als in der Romandie mit 76 Prozent.

Info

Rechtliches: Tofu darf nicht Butter heissen

Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 2017 dürfen rein pflanzliche Produkte grundsätzlich nicht unter Bezeichnungen wie «Milch», «Rahm», «Butter», «Käse» oder «Joghurt» vermarktet werden – wie etwa Pflanzenkäse oder Tofubutter. Das gilt auch, wenn diese Bezeichnungen durch klarstellende oder beschreibende Zusätze ergänzt werden, die auf den pflanzlichen Ursprung des betreffenden Produkts hinweisen. Die Deutsche Lebensmittelbuchkommission hat 2018 Leitsätze für die Bezeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel vorgelegt, die Klarheit schaffen sollen. Das Thema bleibt jedoch brisant: In einem aktuellen Rechtsstreit wird etwa das Bewerben von Produkten mit dem Begriff «Käse-Alternative» von der Wettbewerbszentrale e.V. angegriffen.

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