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Handel fördert Karrieren

Mittwoch, 24. Juli 2019
Foto: iStock (skynesher)

Die Gewinnung und Förderung seiner Mitarbeiter ist für den Handel eine stete Herausforderung. Viele MARKANT Partner sind auf diesem Sektor besonders engagiert und gehen innovative Wege.

Jahr für Jahr steht der Einzelhandel vor dem Problem, seine Lehrstellen mit hinreichend qualifizierten Jugendlichen zu besetzen. Dabei eröffnen sich den Bewerbern laut Handelsverband Deutschland (HDE) grosse Chancen, denn im Einzelhandel sei die «Karriere mit Lehre» nach wie vor die Regel. 80 Prozent der Führungskräfte, so eine HDE-Statistik, haben in der Branche als Lehrlinge begonnen. Händler müssten diese Möglichkeiten in Zukunft aber stärker kommunizieren, meint HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: «In den Schulen und bei Berufsberatungen müssen die Karrierewege im Handel noch deutlicher herausgestellt werden. Ausbildungsberufe müssen gesamtgesellschaftlich einen höheren Stellenwert bekommen.»

Dass es in Zukunft immer schwieriger werden wird, qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte zu gewinnen und zu halten, bestätigt Petra Ziesemer, Leiterin Personalentwicklung bei der Bartels-Langness Handelsgesellschaft. «Wir müssen deshalb unsere Bemühungen, als Arbeitgeber attraktiv zu sein, ausweiten.» Wichtige Aspekte seien dabei mitarbeiterorientierte Führung, gute Zusammenarbeit im Team, Familienorientierung, Gesundheitsmanagement und individuelle Förderung.

Viele andere MARKANT Partner stellen sich dieser Herausforderung ebenfalls mit innovativen Konzepten. So ist Kaufland deutschlandweit «Partner» von Schulen und möchte mit verschiedenen Schulprojekten die Jugendlichen für die Welt des Handels begeistern. Beispiel: Im Febraur 2019 haben die Kaufland Filialen in Heidelberg unter dem Motto «Schülerinnen und Schüler schauen hinter die Kulissen eines modernen LEH-Unternehmens» eine Lernpartnerschaft mit der Internationalen Gesamtschule Heidelberg geschlossen. Die Schule integriert Kaufland als ausserschulischen Partner beispielhaft für den LEH in ihr Berufsorientierungskonzept.

Chancen für Akademiker

dm-drogerie markt punktet mit Vielseitigkeit: Das Unternehmen bietet zehn Ausbildungsberufe und sechs duale Studiengängen an. Das Angebot reicht von der klassischen Ausbildung zum Drogisten über den Abschluss als Bachelor nach dem dualen BWL-Studium bis hin zu Qualifikationen in IT, Logistik und Bauingenieurwesen. Im Jahr 2018 hat dm erstmals auch im Bereich Bauingenieurwesen, Studienrichtung Projektmanagement, einen dualen Studiengang eingerichtet.

Das SB-Warenhausunternehmen Globus nutzt viele unterschiedliche Wege, um Auszubildende zu gewinnen, darunter Radiowerbung, Schnuppertage, Infostände in den Märkten, aber auch Auftritte auf vielen Messen sowie die Präsenz in Stellenportalen wie «arbeiten-bei-globus.de». In der Schüler-App «Schülerkarriere» können interessierte Schüler direkt auf offene Ausbildungsstellen zugreifen. Die Auszubildenden tragen oft selbst viel zur Rekrutierung bei, etwa indem sie mit einem selbst erstellten Kurzvideos in den sozialen Netzwerken von Globus ihr Berufsbild vorstellen. Für Studenten hat Globus einen besonderen Service: Wenn sie ihre Lernskripte einsenden, erhalten sie diese kostenlos in gebundener Form inklusive einer Unternehmenswerbung zugeschickt.

Die Bünting Gruppe spricht für ihre Vertriebslinien junge Menschen über verschiedenste Kanäle an, zum Beispiel über die Karriere-Homepage. Hier erfahren Jugendliche, in welchem von 19 Berufen sie sich ausbilden lassen können. Solche Informationen und die Gelegenheit zum persönlichen Austausch gibt das Unternehmen auch auf Azubi-Messen. Zudem werden Schülergruppen im Bünting-Besucherzentrum in Nortmoor begrüsst, erhalten dort Infos über das Unternehmen und die Ausbildungsangebote. Auch (Bewegt-)Bilder in den sozialen Netzwerken liefern Einblicke in den Ausbildungsalltag.

Grossauswahl an Berufen

Mit zahlreichen Massnahmen sucht auch die Bartels-Langness Handelsgesellschaft Kontakt zu jungen Menschen. Dazu gehören die Kooperation mit der Agentur für Arbeit, Werbung in Flyern, Zeitungen und Schülerzeitungen. Auf Ausbildungs- und Jobmessen kommt man mit Interessenten ins Gespräch, und Auszubildende erzählen den Jugendlichen auf Augenhöhe von ihren Erfahrungen. Hinzu kommt bei Bartels-Langness die Teilnahme an Schulmessen, Bewerbertrainings und anderen Veranstaltungen. Auch auf der famila-Website finden sich viele Informationen. Seit einigen Monaten wird von dort aus auf das Bela-Karriereportal mit weiteren Infos und einer Stellenbörse verlinkt. Demnächst wird Bela auch bei Xing präsent sein.

Das Drogeriemarktunternehmen ROSSMANN wirbt vor Ort in den Filialen für seine Ausbildungsmöglichkeiten, und auf der Karriereseite unter «rossmann.de/karriere» finden Interessierte Informationen zum Bewerbungsprozess, den Ausbildungsinhalten und Perspektiven nach der Ausbildung. Auf der integrierten Stellenbörse sehen Schüler alle vakanten Ausbildungsstellen und können sich direkt online bewerben. Weitere Informationsplattformen sind Jobportale wie Azubiyo.de, Ausbildung.de, Indeed.de oder die Bundesagentur für Arbeit. Im Unternehmensprofil lernen die Bewerber ROSSMANN mit Steckbrief und Videos als Arbeitgeber näher kennen. In Schulen und auf Ausbildungsmessen treten Mitarbeiter in Kontakt mit den Bewerbern und stehen ihnen persönlich Rede und Antwort.

Einen hohen Stellenwert hat bei den Unternehmen die Weiterbildung im Unternehmen, und die Kommunikation der Karrieremöglichkeiten wird gross geschrieben. «Nach einer erfolgreichen Übernahmen haben unsere Mitarbeiter eine Vielzahl an internen Entwicklungsmöglichkeiten. Angefangen über das Globus Ausbildungsförderungsprogramm ‚GLAP‘ zum stellvertretenden Teamleiter bis hin zu verschiedenen Stufen des Globus Unternehmensprogramms möchten wir unsere Mitarbeiter zu Führungskräften weiterqualifizieren», sagt Karina Demminger, Bereichsleiterin Mitarbeiterentwicklung bei Globus.

Individuelle Karriereplanung

Bei Bünting gibt es individuelle, bedarfsorientierte Förderungen, berichtet Kim Liebscher, Leiterin Personalentwicklung/Ausbildung. Je nachdem, ob Mitarbeiter in eine Marktleiter-Funktion hineinwachsen oder Bedienthekenkräfte zu Thekenleitern aufsteigen möchten, werden sie in ihrer persönlichen Weiterentwicklung auf dem Weg in die neue Rolle gestärkt. Liebscher: «In den fachlichen Laufbahnen, zum Beispiel im Obst- und Gemüse-Lehrgang, gilt es, starke Verkäufer-Qualitäten herauszubilden und junge Mitarbeiter vor allem mit kaufmännischen Kenntnissen auszurüsten.» Diese jeweils mehrtägigen Lehrgänge werden von internen Trainern gestaltet.

Auf individuelle Karriereplanung setzt auch Bela und führt dazu regelmässig Mitarbeitergespräche. Bei famila beispielsweise sei aufgrund durchlässiger Karrierewege eine «sehr schnelle Karriere» möglich, sagt Petra Ziesemer. Grundsätzlich sei die Performance auf der Fläche der entscheidende Faktor: «Wenn der Einsatz stimmt, übernehmen wir die Azubis gern und fördern sie on the job durch sukzessive Übernahme von mehr Verantwortung.» Zahlreiche Fortbildungen für Nachwuchskräfte gibt es im Rahmen der Bela-Akademie: IHK geprüfte Fortbildungen (z.B. zum Handelsfachwirt, Betriebswirt oder Bachelor), Seminare zur Verbesserung der fachlichen Kompetenz oder Führungskräfte-Entwicklungsprogramme.

Die Werbung von HDE-Chef Stefan Genth, dass der Handel ein exzellentes Karrieresprungbrett ist, wird von ROSSMANN mit Zahlen belegt: «Über 80 Prozent unserer Azubis in ganz Deutschland werden bei guter Leistung in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen.» Zur Weiterbildung bietet das Unternehmen zahlreiche interne Seminare und externe Massnahmen an – und ist vom Erfolg überzeugt: «Viele unserer ehemaligen Azubis sind mittlerweile Filial- oder Bezirksleitungen, bilden selbst aus und übernehmen vielfältige Verantwortung in unserem Unternehmen.»

Info

Neue Herausforderungen
Noch kann der Einzelhandel den Grossteil seiner Führungskräfte – laut HDE rund 80 % – aus den eigenen Reihen decken. Die Frage ist, ob sich das in Zukunft noch realisieren lässt. Stichworte: Digitalisierung und Wettbewerbsdruck.
Die Antworten von MARKANT Partnern:

Bartels-Langness: «Beim Recruiting müssen wir verstehen, dass die Marktsituation gekippt ist. Früher haben wir als Unternehmen ausgewählt, jetzt tut es (auch) der Bewerber. Wir passen unsere Recruiting-Strategien immer weiter an – durch niedrige Schwellen für Bewerber, einfache Bewerbungsvorgänge und Recruiting mit dem Aspekt des Personalmarketings im Hinterkopf.»

Bünting Beteiligungs AG: «Nach wie vor sind die Karriereaussichten für Lehrlinge in Handelsunternehmen gut – häufig besser als in anderen Branchen. Allerdings ist auch der Wettbewerb um gut ausgebildetes Personal gestiegen. Als mittelständisches Unternehmen sind wir deshalb stark an der Weiterqualifizierung und Bindung unserer Mitarbeiter interessiert. Auch Quereinsteigern bieten wir Lösungen.»

Globus SB-Warenhaus: «Natürlich stellt es in der heutigen Zeit eine grosse Herausforderung an unser Unternehmen dar, dass unsere Auszubildenden auch unsere späteren Führungs­kräfte sind. Dennoch ist es unser primäres Ziel, unsere Führungskräfte aus den eigenen Reihen wachsen zu lassen.»

 

Info

MPREIS bildet im E-Commerce aus
Beim österreichischen ­MARKANT Partner MPREIS entwickelt sich die Lehrlingsausbildung stetig weiter: Seit September 2019 wird ein neuer Lehrberuf angeboten: eCommerce-Kauffrau/-mann. Die eCommerce Lehrlinge sollen später den MPREIS Online Supermarkt betreuen und sich um alle dazugehörigen Aufgaben kümmern: die zielgerichtete Ansprache von Kunden (Content Marketing), die Erstellung von relevanten Web-Inhalten mit CMS-Tools, die Optimierung der Inhalte für Google-Anfragen (SEO) und die grafische Bildbearbeitung. Ulrich Theilmann, ­Leiter der Abteilung eCommerce: «Jugendliche können in der MPREIS eCommerce-Abteilung alles rund um unseren Online Supermarkt lernen. eCommerce ist nicht nur Trend, sondern Zukunft, die wir gemeinsam gestalten können.»